Aufsatz 
Zur Mineralogie des Plinius / von August Nies
Entstehung
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Stelle XXXVI. 130 wird ein Stein Theamedes genannt, welcher alles Fisen von sich stösst(qul ferrum omne abigit, respuitque) und an einer dritten XX. 2 wird der magnes lapis bezeichnet als ferrum ad se trahens und ein anderer alsferrum rursus abigens a sese.

Der Name Magnes wird von Plinius, der dem Berichte Nicanders folgt, von dem Entdecker, der ihn auf dem Berge Ida fand, abgeleitet XXXVI. 127 130. Die Entdeckung soll dadurch ver- anlasst worden sein, dass jener Magnes, als er das Vich hütete, mit seinen Schuhnägeln und der Spitze seines Stockes an dem Erdboden festgehalten wurde. Ausserdem heisst der Magneteisenstein auch Sideri- tes und Heracleon. Von den fünf Arten Magnes, welche Plinius nach Sotacus aufzählt, ist, wie er angiebt, nur eine, der Aethiopicus, wirklich magnetisch; er stammt aus der sandigen Gegend Zimiris. Von dem echten Magneteisenstein wird gesagt: tanto meliores esse, quanlo sint magis caerulei.. Die übrigen Arten sind zum Teil andere Eisensteine, wie der von Magnesia, wovon es nur heisst: rufi nigrique sunt, und der Boeotius, qui rufi coloris plus habet, quam nigri. Auch der Hämatit, der Roteisenstein, wird dem Magnes zugezählt. Unter der vierten Art ist vielleicht ein Manganerz zu verstehen. Es heisst darin: Is qui Troade invenitur, niger est et feminei sewus ideoque sine viribus. Die Manganerze wurden bis in das vorige Jahrhundert zu den Eisenerzen gerechnet, und solche sind wohl unter den magnetes zu verstehen, die nach Plinius bei der Glasfabrikation An- wendung fanden. Die betr. Stelle heisst: coeptus addi et magnes lapis, quoniam in se liquorem vitri quoque ut ferrum trahere ereditur XXXVI. 192. Dass Braunstein zur Herstellung des farb- losen Glases schon in den frühsten Zeiten benutzt wurde, ist sicher, bei Zusatz von Eisensteinen wären grün oder rot gefärbte Gläser entstanden. ¹)

Der Ausdruck feminei sexus in der citierten Stelle, sowie ein in demselben Kapitel vor- kommender Satz: Differentia prima, mas sit an femina, proxima in colore zeigt, dass nicht bloss die Edelsteine in männliche und weibliche geteilt wurden, sondern auch andere Mineralien. Bei den Edel- steinen beruht die Einteilung in mares und feminas auf dem Glanz und zugleich auf der Farbe. Von den Karfunkeln heisst es: praeterea in omni genere masculi appellantur acriores et feminae languidius refulgentes XXXVII. 92; von einem anderen(Garamantites): et hic mares austeritas distinguit; blandior feminis flamma XXXVII. 101. Eine Stelle lautet: et in his(Sardis) mares excitatius fulgent, feminae pigriores sunt et crassius nitent XXXVII. 106; und eine andere: duaę seunt er his(Sappiris) cyanei coloris mares existimantur XXXVII. 120.

Die Farbe, welche bei der heute noch üblichen Einteilung der Edelsteine in männliche und weibliche hauptsächlich massgebend ist, kann zu der Einteilung der magnetes in mares und feminas nicht Veranlassung gegeben haben; das beweist der Zusatz: proxima(differentia) in colore. Auch die Übersetzung mitglänzend für mas undmatt für femina kann hier nicht richtig sein, denn in diesem Falle wäre der Zusatz ideoque sine virihus ganz unverständlich. Wahrscheinlich soll hier vielmehr durch mas und femina der Unterschied zwischen hart und weich ausgedrückt werden, in welchem Falle allerdings der Braunstein als feminei sexus zu bezeichnen wäre. An einer anderen Stelle ist dieser Unterschied ganz bestimmt ausgedrückt. Von den sog. Adlersteinen (aetitae) heisst es: ajunt binos inveniri, marem ac feminam..... friabilem feminei sewus putant, marem autem.... durum XXXVI. 149. Auch an einer anderen Stelle soll offenbar durch die beiden Worte ein ähnlicher Gegensatz ausgedrückt werden, nämlich da, wo von den beiden Antimon- erzen, dem timi oder tibi die Rede ist, heisst es: horridior est mas scabriorgue et minus ponderosus, minusgque radians et harenosior, femina contra nitet, friabilis, fissurisque non globis dehiscens XXXIII.

1) vergl. Kopp, Geschichte der Chemie Bd. IV S. 82 ff.