Aufsatz 
Zur Mineralogie des Plinius / von August Nies
Entstehung
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wäre, diese Fragen endgiltig zu entscheiden. Auch über die zu Zwecken der Architektur und Plastik verwendbaren Steine ist in neuerer Zeit manches geschrieben worden, doch mehr von Philologen und Archäologen als von Mineralogen.

In dem hier vorliegenden Aufsatz soll nun versucht werden zu zeigen, dass in der Mineralogie des ältern Plinius unter der Masse wertlosen Sandes doch auch gar manches Goldkörnlein sich findet, das das Auswaschen wohl lohnt. Die Arbeit des Verfassers hat einige Xhnlichkeit mit dem, was man unter dem Aufbereiten der Erze versteht, ein Auswählen des Guten und Ausscheiden des wertlosen Materials, ein Reinigen und Auslesen des Zusammengehörigen und ein Überführen in den Zustand, in dem es dann weiter verarbeitet werden kann. Dass bei einem solchen Verfahren auch manches gute Stück übersehen wird und verloren geht, ist natürlich, ebenso, dass manches zu dem guten Erz geraten kann, das in Wahrheit Katzengold ist; beides wird nicht viel schaden, wenn nur die Aufmerksamkeit darauf gerichtet ist, dass es so wenig als möglich geschieht.

Der Aufsatz zerfällt in zwei Teile. In dem ersten soll versucht werden zu zeigen, was für Eigenschaften der Mineralien zur Zeit des Plinius im Allgemeinen bekannt waren. Der Stand der Kenntnisse und Fortschritte in einer beschreibenden Naturwissenschaft lässt sich am besten erkennen und verfolgen an der Art und Weise, wie man ein Naturobjekt, ein Tier, eine Pflanze oder ein Mineral beschreibt. Bald nachdem man erkannt hatte, dass die chemische Zusammensetzung, dass das optische Verhalten für die einzelnen Mineralien charakteristisch ist, hat man auch bei der Be- schreibung darauf Rücksicht genommen, und wenn man die genaue Beschreibung eines Minerals in einem der auf dem heutigen Standpunkt der Wissenschaft stehenden Lehrbücher Punkt für Punkt durchgeht und sich die Frage vorlegt, seit wann dieses, seit wann jenes Kennzeichen ange- geben wird, so hat man die ganze Geschichte der Mineralogie vor Augen.

In dem ersten Abschnitt dieses Aufsatzes sind deshalb alle Hilfsmittel angegeben, deren sich Plinius bei der Beschreibung der einzelnen Mineralien bedient hat, alle die verschiedenen Kenn- zeichen und Merkmale derselben; dabei werden zugleich eine grössere Anzahl der von Plinius auf- geführten Mineralspecies besprochen. In dem zweiten Abschnitt ist an dem Beispiel der schweren Metalle und ihrer Verbindungen gezeigt, welche Kenntnisse man zur LZeit des Plinius bereits in der speciellen Mineralogie hatte. Es wurden die Metalle dazu gewählt, weil gerade sie von allgemeinerem Interesse sind, auch der betr. Abschnitt der naturalis historia des Plinius von diesem Gesichts- punkt aus noch nicht betrachtet wurde, während die von Plinius allerdings mit besonderer Vorliebe behandelten Edelsteine schon öfter und auch kürzlich wieder ¹) Gegenstand eingehender Untersuchung gewesen sind. Die gleichmässige Behandlung aller von Plinius erwähnten Mineralien würde ein über den Rahmen einer Programmarbeit weit hinausgehendes umfangreiches Werk erfordern und zugleich in vielen Fällen ein Aufstellen und Wiedergeben von blossen Vermutungen und gewagten Hypothesen nötig gemacht haben, was hier nur dadurch, dass auf Vollständigkeit verzichtet wurde, vermieden werden konnte.

1) Blümner, Technologie und Terminologie der Gewerbe und Künste bei Griechen und Römern. Bd. III. 1884.