Aufsatz 
Zur Geschichte des deutschen Bauernkriegs
Entstehung
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Von der Verwirrung und dem Zwiespalt, welche unter den schwäbischen Bauern einrissen, berichtet Kessler: ¹)»ainer wolt des fridens, der ander des kriegs geleben, ainer wolt haim, der ander bliben, also das sy mer durch an andren zerstrewt vnd zertailt, dann die so den thurm Babi- loniae zu bawen understundent, vnd schlug darzu das verderbklich kriegsgifft grosse verreterey,

trug vnd falsche beredung, das ain kainer dem andern meer dorfte vertrawen vnd am minsten

den hoptluten.

Anfangs zwar waren die Bauernhaufen von den besten Hoffnungen beseelt und von dem

Glauben an die Gerechtigkeit ihrer Sache getragen; glaubten sie doch für Gott selbst und sein heiliges Evangelium das Schwert zu ziehen, und daher»wirt uns ungezweifelt Christus, unser herr und gott, in seinen eignen Sachen, die wir vorhaben, nit verlassen«, heisst es in einem Schreiben ²) fränkischer Bauern. Nicht allein ein Thomas Münzer, auch viele andere Prädicanten suchten damit die Bauern anzuspornen,»dasz sie keck weren, dan sy striten um das hailig evan- gelium vnd sie wurd kain spiesz nit stecken, kain schwert nit schneyden, kain geschosz nit schieszen.«³) Bei den fränkischen Bauern war der Glanbe allgemein,»inen möcht nyemand wider- stand tun, inen auch kain geschutz schedlich sein, denn gott hett es mit inen vnd verlihe in darumb so lang zeyt schon wetter.«4) Und die ersten leichten Erfolge waren wohl geeignet solchen Glauben zu erhöhen.»Vetz sechend ir,« redet der Allgäuer Hauptmann Knopf nach Eroberung des Schlosses Wolkenburg die Seinigen an,»das gott mit uns, und min furnemen gut und gerecht ist.«) Dieses Vertrauen stand bei ihnen so fest, daß sie der Kunde von der Niederlage der Ihrigen keinen Glauben schenken wollten und niemand gestatteten, unter ihnen davon zu reden, sondern die,»so inen solchs warnungsweys ansagten oder dem glauben gaben, viengen, sie in die eysen schlugen vnd straften.«) Ja, auch nachdem der Aufstand bereits niedergeworfen war, hielten sie noch an dem Glauben fest, daßs sie nach dem Evangelium gehandelt, und da der Aufruhr evangelisch wäre, so würde sie Gott nicht verlassen und wohl wiederum ver- sammeln.*) Auch war das Gerücht verbreitet, daß Kurfürst Friedrich von Sachsen mit 60 000 Mann zum Schutze des Evangeliums daher ziehe.

Die Enttäuschung war um so bitterer, der Umschlag desto härter. Kein grösserer Gegensate als das blinde Vertrauen der Bauern vor dem Kampfe und ihr Verhalten während des Kampfes! Als der ernstliche Angriff seitens des schwäbischen Bundes erfolgte, da tritt feigherzigste Ver- zagtheit an die Stelle des früheren Vertrauens, ganze Haufen zerstreuen sich bei der blossen Nachricht von dem Anzuge des bündischen Heeres, sie,»die us hasen wölf worden, wurden wiederum zu hasen.«»Weil sie das heilige Evangelium zu einem Schanddeckel nehmen«, sagt Herold,»so hat ihnen Gott Herz und Mut genommen, daß, sobald sie der Feinde ansichtig wurden, ihnen alle Kraft entgieng, daß ein Reiter hundert Bauern jagte, daß die Reiter wieder herfür kamen, lebendig, ja stählern wurden, die Bauern aber wie Hasen, daß sie fast an allen Ecken zerfleischt und zermartert wurden.« Und in der That, mit nnerhörter Feigheit haben die Bauern fast allenthalben, wo sie auf freiem Felde einem Angriff Stand zu halten hatten, sich benommen. Mit unwiderstehlicher Komik wirkt der Bericht des Augenzeugen Herold über das Gefecht von Gotwaldshausen:»Der Bauern waren bei 4000, derer von Hall 4 oder 500, hatten 5 Falkonetlein mit hinausgeführt, die Bauern aber hatten förderlich das Halbteil Büchsen. Als

¹) 1. c. 331. ²) Stumpf 36. ³) Thoman I. c. 252. ¹) Zweifel 184.Baumann, Acten etc. Nr. 407.) Zweifel 407.) Jörg 280.