Aufsatz 
Zur Geschichte des deutschen Bauernkriegs
Entstehung
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fenstern us in die wettin geworfen, das es ander leüt haben hinwegtragen; sy haben auch vieh vnd die schaf nidergeschlagen vnd unordenlich verzert, das korn in der statt verkauft... und ain unchristenlich ellend leben gefuert.« Der Wein in den Kellern, den man nicht trinken konnte, wurde aus den Fässern gelassen,»das ain gansz dryer wochen all darin het mugen ungegrunt der erden schwimmen,« oder»das ainer uber die knoden im wein gieng.«»Wo sie hinkamen oder lagen,« erzühlt Fries,»fielen sie in die Klöster, Pfaffenhäuser, der Obrigkeit Kisten und Keller, schlemmten und dämpten, diweil da was. Und sonderlich gefiel ihnen diese neue Bruder- schaft wohl, daß sie zu zehren, zu essen und zu trinken hatten und nichts dafür geben durften. Trunkener, voller, ungeschickter Leute hat man kaum mehr bei einander gesehen die Zeit dieser Empörung qurchaus, also daß ich nicht wissen mag, ob solche der Bauern Fürnehmen und Handlung, wo sie sich allein vor dem Brand und Blutvergießen enthalten hätten, ein Faßnachts- spiel oder ein Krieg genannt werden möchte, und ob es je ein Krieg geheißen werden möchte, ob man den mehr einen Bauernkrieg oder Weinkrieg nennen sollte, wiewohl die Ürten zum letzten unsauber eingebracht worden.«»Weil Franken reich ist an gutem Wein«, sagt Holzwart so wurden sie fast niemals nüchtern.« Man kann gleichwohl den meisten Bauernführern das Zeugnis nicht absprechen, daß sie nach Kräften dem Unwesen zu steuern suchten.»So dikh es an die Hauptlewt gelangt, hatten sie darab miszfallen, es folgt aber kain enderung oder besserung darauff, sonder blyb daby.«¹) Bei der Machtlosigkeit, mit welcher die Hauptleute dem gemeinen Mann gegenüberstanden, war es auch bei dem besten Willen nicht möglich Aus- schreitungen zu verhüten. Selbst Ulrich Schmid, der Redner und Oberhauptmann des Bal- tringer Haufens, den»man also geeret in dem gemainen hellen Haufen, daß man in uff stangen erhöhte, daß er das Volk lerte,« muß gestehen, daß er eine Gewaltthat abzuwehren außer Stande sei, denn»sy gebent nüzs umb in.«²) Die Bauern von Irsee verschlossen dem Oberhauptmann Knopf und seinem Gefolge ohne weiteres die Thore des Klosters. Von der Menge ahhängig mußten diese Hauptleute um die Gunst derselben buhlen und nach ihrem Willen handeln. Als die Allgäuer Bauern gegen Füssen zogen, suchten die Hauptleute mit der österreichischen Besatzung einen Anstand zu machen, das aber gefiel der Masse nicht, sie setzten die Hauptleute ab,»namen ynen ire köstliche klaider, zierd vnd pfert vnd gaben inen bawrenklayder anzuthun vnd banden sy auf ainen karren vnd furten sy hin vnd wider mit grosser verspottung vnd machten ander hawptleut, vnd was also kain ordnung under ynen, besonder ain yetlicher under ynen wolt gewaltig herr und maister sein.«²) Von den fränkischen Bauern erzählt Fries, ¹)»dem Haufen zu Bildhausen fiel es ein, die Hauptleute hätten es besser als die Gemeinen, unter ihnen als Brüder müsse es gleich und brüderlich zugehen, und jeder dürfe wissen, was im Rate beschlossen werde.«»Das gemain volk ist unerfaren, lebt nach flaisch vnd blut,« schreibt der Rotenburger Ernfried Kumpf an den Rat, und in seinem Bericht heißt es,)»das vnder vnd bey dem hawfen der bawerschaft kain frid, volg, ainigkeit, traw oder glaub were, sonder alles, das sie hewt glopten, schwurn, zusagen vnd verschriben, wer alspald morgen nit gehalten, sonder alles veracht vnd darwider gehandelt.«

¹) Bauernkrieg am Oberrhein, Mone II, 30 cf.

²) Heggbacher Chronik 287.

³) Knöôringer Annales Fauc., bei Baumann I. c. 396. 4) Stumpf I. c. 56.

5⁵) Zweifel 449.