so wurde die gesammte Bauerschaft, welche der Brüderschaft verpflichtet war, aufgemahnt, indem von dem hellen Haufen an die größeren Ortschaften einer Landschaft Schreiben ergingen, welche von diesen an die kleineren weiter befördert wurden. Als die Bauernräte im Lager vor Würz- burg Kunde erbalten, daßs der schwäbische Bund gegen Weinsberg anrücke, erlassen sie an alle Orte den Befehl»das sie sich in rustung enthalten, vnd sobald sie schriftlich oder muntlich von vns uffgemant werden, das sie one verzug an die ort vnd end, dahin sie gewiesen werden, zu- ziehen. c¹) Der Einberufungsbefehl lautete dahin, daß alle»uff ir aid vnd pflicht vnd bey ver- lierung leybs vnd guts angesicht des priefs uff sein, mit buchsen vnd langen spiessen wol gerust,- und dem Sammelplatz zuziehen sollen, da»sie dann von vus weytern beschaid empfahen werden.« Das sind ungefähr die Grundzüge der Organisation, wie sie die Bauernführer im Auge
hatten. Aber wie stand es nun mit der Ausführung all jener schönen Bestimmungen? Und da sind alle Nachrichten jener Zeit einig darüber, daß die Bauern an Völlerei, Zerstörungswut und Zuchtlosigkeit das Mögliche geleistet haben. Die Gegner spotteten ihrer mit Recht:
»ir habt artickel geschrieben
vnd buchlein davon gemacht,
euer keiner ist dabei blieben,
ist euch ein grosse schmach!
ir habts selber zerspalten
vnd der keins nie gehalten,
den diebstal triebt ir mit gewalt,
ist euch ein grosse schand,
wo mans sagt in allem land.«²) Brach man ein Schloß, fiel man in ein Kloster, dann wurden Ofen, Fenster, Thüren, Tröge zer- schlagen, aller Hausrat weggeführt, die Meßgewänder zerrissen, kein Nagel an der Wand gelassen, „er war denn dermaßen eingeschlagen, das man inn nit sehen mocht,« die Glocken aus den Türmen genommen und den Städtern zum Kauf angeboten, alles was für die Bauern irgendwie prauchbar war, mitgenommen, sogar die Erde nach verborgenen Truhen und Schätzen aufgewühlt und selbst die Ruhe der Toten nicht geschont; was keinen Wert zu haben schien, wurde in wilder Zerstörungslust zerschlagen, die Urkunden und Bücher zerrissen, die Fetzen an die Hüte gesteckt, die Gemälde an den Wänden beschmutzt, die Heiligenbilder zertrümmert. Als die Bauern vor Füssen lagen, lauerten bereits ihre Weiber»mit Roß und Wagen« auf die zu hoffende Beute. Mit treffendem Humor nannten sich die fränkischen Bauern unter einander„»Kistenfeger und Seckelleerer«, und in einem gleichzeitigen Liede heitzt es: ³)
»das evangelium hands in der kisten gsucht mit hammern vnd mit zangen.«
Mit den Vorräten ging man in gleicher Weise um. Bei der Einnahme des Klosters Kempten, erzühlt Fläschutz,*)»haben sy wein vnd brot, flaysch vnd alle speys unordenlich on alle gotzforcht fressen als die wietende hund on alle ordnung vnd haben schmaltz von hof zue den
¹) Zweifel 407.
²) v. Lilienkron, die histor. Volkslieder der Deutschen III, No. 384.
¹) v. Lilienkron l. c. 389.
³) Baumann, Quellen 382. Vgl. dazu Murer, Bauernkrieg um Weissenau eod. I. 500»nota, wie die buren ain ungeschikcz wesen haben gehabt in dem gocz hus mit essen vnd trinken, foll sin, schlachen ain andren, düren zerschlachen der kuchen vnd pfistre, da ze nemend, was inen gefiel, mit fischen, füren vnd tragen usz dem kloster frawen vnd man win vnd brot.⸗


