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„Sie thäten den Adel meiden,
Wollten kein sporen mehr leiden, Welcher es schon mit ihnen wollt hohn, Der must mit ihnen auch zu fuße gohn.«
„Bruder Albrecht und Bruder Georg«, redete ein Bauer die Grafen von Hohenlohe an, ¹) „kommt her und gelobet den Bauern bei ihnen als Brüder zu bleiben und nichts wider sie zu thun, denn ihr seid nimmer Herru sondern Bauern« etc. Hier ließ man sich mit den Herren auch nicht auf lange Unterhandlungen und Vergleiche ein, sie wurden einfach vor die Alternative gestellt, entweder die 12 Artikel zu beschwören oder sich mit Krieg überzogen zu sehen. So verlangen die Bauern von den Hohenloher Grafen eine bündige Erklärung, ob sie die Artikel annehmen wollen; wo nicht,»so solle man des bapeiers sparen.«²)
Wie schon bemerkt, trat in diesen Gebieten gleich seit Beginn des Aufstandes eine Verschmelzung mehrerer Landschaften zu compacten Massen ein. Die Rotenburger Bauern, an welche sich die einiger benachbarten Herrschaften anschlossen, verschmelzen mit denen des Tauber- grundes zu einem Haufen, der meist der»fränkisches, zuweilen auch der»schwarze« genannt wird. Die Bauernschaften des Odenwaldes finden wir gleichfalls sofort in enger Vereinigung mit qenen des Neckarthales,»der christenliche Hauffen Ottenwalds und Neckartals«, der sich nach der Erstürmung von Weinsberg den Namen»Weinsberger Haufe« beilegte. Diese beiden großen Haufen traten wieder unter sich in einen sehr engen Verband und gehen gemeinsam zur Offen- sive über. Zu Anfang Mai vereinigen sie sich vor Würzburg in einer Stärke von etwa 26 000 Mann und schwören, sich nicht eher zu trennen, als bis der Frauenberg erobert sei. Man bildet einen gemeinsamen Rat, zu welchem jeder Haufe außer seinen Hauptleuten noch fünf Personen bestellt, welche alle 14 Tage neu gewählt werden. Dieser Kriegsrat tagte zu Würzburg in der Kapitel- stube des neuen Münsters, von einer stattlichen Zahl Trabanten in gleißenden Harnischen und mit Hellebarden bewacht, beschloß über Sturm und Waffenruhe, verordnete Beschlagnahme von Getreide- und Weinvorräten, entbot benachbarte Bauernhaufen zum Zuzug, erließ Strafverfügungen gegen Adlige, die von der Verbrüderung abgefallen waren u. s. w. Die Abstimmung geschah durch Handaufheben. Das gemeinsame Abzeichen war ein weißzes Kreuz an Hut oder Kittel; von welcher Farbe die Fahnen, oder ob man überhaupt gleichartige geführt, ist mir nicht be- kannt. Ein Teil der ostfränkischen Bauern führte rote Fahnen mit weißem Kreuz, wie es scheint, eine Entlehnung aus Oberschwaben. Die Bauern von Schwäbisch-Hall hatten nach Herold eine seidene Fahne»mit Strichen braun, gelb und grün und ein Crucifix in der Mitten«, also die Farben des Ackerfeldes. Da dieselben dem Weinsberger Haufen angehörten, ist wohl anzunehmen, daß dies die gemeinschaftlichen Bundesfarben waren. Auch die Siegel der Bauernschaften tragen meist die Embleme der Landwirtschaft, das des fränkischen Haufens hat, in Form eines Andreaskreuzes über einander liegend, nach links eine dreizinkige Forke, rechts einen Dreschflegel, darüber als Herz- schild eine Pflugschar, unter welcher ein halber Bauernstiefel hervorgeht, zu beiden Seiten halbiert die Jahreszahl 1525; das des Weinsberger Haufens zeigt als einzigen Unterschied statt der Forke einen Karst.²¹) Sonst bewahrte jeder Haufe seine volle Selbstständigkeit, campierte in gesonderten
¹) Oechsle, Beiträge zur Geschichte des Bauernkrieges 100. Heilbronn 1830.
²) Oechsle 97.
³) Abbildungen dieser und noch zwei anderer Siegel bei Gropp, Würtsburgische Chronik 97 und besser bei v. Falckenstein, Nordgauische Altertümer III, 326. Das Siegel der Bauern, die sich zur Belagerung von Sodenberg vereinigt hatten, zeigt die Initialen I. H. S., über dem H das Kreuz, halbiert die Zahl 1525, das


