Aufsatz 
Zur Geschichte des deutschen Bauernkriegs
Entstehung
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als für jede Rotte(10 bis 12 Mann) einen Fische ¹). Von dem gaildorfer Haufen wird be- richtet, daß er schon bald nach Beginn des Aufruhrs großen Mangel litt und daß viele schrien,»man solle ihnen heimhelfen« ²). Die Bauern, welche sich zur Belagerung des kempten- schen Schlosses Liebenthann zusammenziehen, begehren vom Kloster Irsee Getreide, weil»sie schon an den notwendigen Lebensmitteln Mangel leiden« ³). Jener Geislinger sollte Recht behalten, welcher der Bauern Sache keinen Bestand vorhersagte, weil sie in ihren Lagern nichts zu essen hätten). Dieser Umstand vor allem hat jede Cooperation der Bauernheere der verschie- denen Landschaften, wenn man je daran gedacht hat, unmöglich gemacht, und der gänzliche Mißerfolg der Bewegung hat nicht zum geringsten Teil hierin seinen Grund.

Doch verfolgen wir die Organisation, welche sich die Bauernheere zu geben versuchten, denn zu einer wirklichen Durchführung ist es überhaupt nicht gekommen, im einzelnen. Wenn auch hierbei die verschiedenen Landschaften ihre Eigentümlichkeiten haben, so ergiebt sich doch bei der Gleichheit der Lage und der Bedingungen des Aufstandes von selbst eine ge- wisse Uebereinstimmung in den Grundzügen. Gewöhnlich bildeten die einzelnen Pfarreien für sich besondere Fähnlein, wählten unter sich ihren Hauptmann und meist zwei Räte. Nur solche Ortschaften, denen man nicht recht traute, hatten keine Hauptleute aus ihrer Mitte. Die Con- tingente einer Landschaft oder Herrschaft bildeten den»gesammten, gemeinen, ganzen oder hellen) Haufen«. Im Würzburgischen gab es solcher Haufen zeitweilig acht. Hier wurden die notwendigsten Amter vorläufig besetzt, der Oberhauptmann gewählt, Profoß, Proviant- und Beutemeister bestellt, die Kaunzlei führte einer der zahlreichen Pfarrer, die sich der Bewegung anschlossen. Mit der Verfertigung einer Fahne und Aufstellung einer Schlachtordnung war der Haufe fertig. Nach der Größe der Landschaft war die Stärke dieser Haufen natürlich sehr verschieden, wir finden solche, die nur einige hundert Mann betrugen, andere, deren Zahl sich auf viele Tausende belief. Benachbarte Landschaften vereinigten sich zeitweise und schworen einander gegenseitig zu unterstützen, wie z. B. die der Markgrafschaft mit denen des Bruhrains, der zum Bistum Speier gehörte, die des Odenwaldes und Neckarthales, deren Verbindung am engsten war, die von Rotenburg mit denen des Taubergrundes. Beide letztere Haufen- vereinigten sich bei Scheftersheim, und da der Tauberhaufe der stärkere war, so nahm er das ganze Re- giment an sich, setzte alle Räte und Amtleute des rotenburgischen Haufens ab und setzte neue ein; bei der Auflösung gelobten die Rotenburger, auf Aufforderung des Tauberhaufens ungesäumt dem- selben zuzuziehen). In ähnlicher Weise mag sich die Vereinigung verschiedener Haufen auch sonst vollzogen haben.

¹) Nach L. Fries bei Stumpf, Denkwürdigkeiten zur deutschen, besonders fränkischen Geschichte. Erfurt 1802 p. 80.

²) Wagner, der Bauernkrieg auf dem Gebiete der freien Reichsstadt Schwäbisch Gmünd, in Forschungen zur deutschen Geschichte 14, 235.

³) Furter, Historia belli rusticorum bei Baumann, Quellen 335. ¹) Zimmermann II. 145.

) Dieses Wort scheint man schon damals nicht mehr recht verstanden zu haben. Kil. Leib Annal., bei Döllinger, Materialien zur Geschichte etc. II., 485, übersetzt»hell« mit»clarus«, die Heggb. Nonne hat öfter statt»heller Haufe« ⸗klarer Haufe«, die Odenwälder setzten dem ⸗hell« noch ein erklärendes »liecht« hinzu.

) Zweifel I. c. 151.