Aufsatz 
Zur Geschichte des deutschen Bauernkriegs
Entstehung
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beraupt sein, vnd zu erleichtern etlich beschwerd, die wir, sie vnd ir nicht ertragen mögen, wa nicht, so woll wir zu euch komen, daran ir kain gefallen haben werdt, vnd zu ewrem leyb vnd gut greyfen. Darnach wist euch zu richten. Wa das nicht geschicht in zwayen tagen nach anzaigung dis briefs, soll diser schrift nachgefolgt werden«. Es wird berichtet, daß sich manche Orte an viermal aufmahnen ließen, und von ihren Herren schmählich im Stich gelassen, nur dem außersten Zwang wichen. Die Aufständischen in Franken drohten jeden zu erstechen, der sich ihnen nicht anschlösse. Die schwäbischen Bauern haben ihr Verfahren in dem sogenannten»Ar- tikelbrief« ¹) niedergelegt, sie bedrohen jeden, der sich weigert,»der brüderlichen Vereinigung« beizutreten, mit»dem weltlichen Bann«, wodurch der Betroffene von jedem Verkehr und Ge- meinschaft ausgeschlossen wird. Wer dem Bunde beitritt, schwört sich seinen Bestimmungen zu unterwerfen und sich nicht von der gemeinsamen Sache zu trennen. Jener Eid, der den schwäbischen Bauern zugeschrieben wird, daß man nur einen Gott und einen Herren»römische kaiserliche Mayestät« haben wolle, scheint wenigstens bei diesen oberschwäbischen Haufen nicht bekannt gewesen zu sein. Der Vereidete geht unter einem Spieß durch und zahlt 2 kr. Einschreibegeld, was beispielsweise im Baltringer Haufen die Summe von 600 Gulden eintrug. 2) Zur Eintreibung desselben wird ein»Steuermeister« bestellt. Nach einem Bericht an den Her- zog Wilhelm von Bayern betrug die Zahl der schwäbischen Bauern, die in das Bündnis ein- geschrieben waren, bei 300 000 ³). Der fränkischen Bauern Eid lautete):»Ich soll und will, indem ich in die Versammlung der Bauerschaft mich begeben habe, weder geistlichen noch weltlichen Fürsten Zoll, Zins, Steuer oder Zehnt geben bis zu Austrag und End dieser Sache, und einen Gott, einen Herrn haben, das helfe mir Gott und das heilige Evangelium. Im Namen des Allmächtigen«. Aber trotz aller Eide, durch welche man sich gegenseitig verpflichtete, herrschte doch unter den Bauern ein reges Mißtrauen gegen einander, es durfte z. B. niemand allein mit seiner alten Herrschaft verkehren,»er habe dan 3 oder 4 mit im gent«), leicht erklärlich, wenn man bedenkt, daß ein großer Teil nur gezwungen sich den Aufständischen angeschlossen.

Es galt nun diese Massen zu organisieren und feldtüchtig zu machen, eine wahrlich nicht leichte Aufgabe bei einer Menge, welche die verschiedenartigsten Instinkte und Beweg- gründe zusammengewürfelt hatten. Zwar fehlte es nicht an tauglichem Material, die Bauern jener Zeit waren mit Wehren meist wohl versehen, bei der Unsicherheit der Zustände an Alarm gewöhnt, die Dörfer meist von Heckenzüunen umgeben und zur Verteidigung wohl geeignet; auch an kriegskundigen Leuten war hie und da kein Mangel, mancher Bauer hatte in seinen jungen Jahren lange im Felde gelegen, aber ihrer war doch bei weitem die Minderzahl, die Menge war und blieb immerhin»störrisch gegen jeden Befehl.« Und wie sollten sich die Massen im Felde erhalten? Fehlte es doch an jeder Vorsorge für eine geregelte Verpflegung. Waren die Vorräte, die man in einem Kloster gefunden, auf das sinnloseste vergeudet, dann stellte sich bald der bitterste Mangel ein.»Man giebt uns«, schreibt der Hauptmann der Mannschaft, welche das Städtchen Ebern im Würzburgischen in das Lager von Bildhausen gestellt hatte, nach Hause, bisweilen ein wenig Gerste, bisweilen gar nichts, und man hat uns heute gar nichts gegeben,

¹) Abgedruckt bei Schreiber l. c. Jahr 1525 S. 87 ff..

²) Baumann, die oberschwäbischen Bauern im März 1525 und die 12 Artikel S. 95. Kempten 1871. ³) Jörg 239.

) Nach L. Fries bei Bensen, Geschichte des Bauernkriegs in Ostfranken. Erlangen 1840. p. 111. ) Werdenst. Chronik I. c. 487. und Furter, Histor. belli rust. Ursin. eod. I. 326.