Aufsatz 
Zur Geschichte des deutschen Bauernkriegs
Entstehung
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man giebt sich Handschlag und Gelübde, der eine macht freiwillig mit, der andre will nicht zu- rückbleiben, wo Freunde und Verwandte zur Wehr greifen, mit dem Anschwellen des Haufens wächst der Mut auch dem Furchtsamen, an wirklichen oder eingebildeten Beschwerden fehlt es zudem nicht, war es auch manchem, wie jenem Bürger von Kitzingen, bloß darum zu thun, daß die Metzger die Wurst größer machten ¹). Viele treibt auch die bitterste Not zum Anschluf, die Scheunen standen leer, man wusste nicht, wie man sich bis zur Ernte hinbringen sollte. Die puren«, erzühlt der Biberacher Heinrich von Pflummern,»hetend kain gelt; wan sie uf den graben umb die stat zusamen zochen, trugen die beken brot virs tor, het menger kain pfening, das er ain mutschlo(kleines Brod) kofte« ²). Die Gemeinde von Wildentierbach klagte dem Rat von Rotenburg a./T.³):»wir armen haben yetz der zeyt merklichen mangel vnd zadel an getraid, also das wir, vnsere weyb vnd kynder das brod nit wol haben mögen, sonder derhalben merklichen hunger vnd not leyden mußen.« Sie bitten den Rat ihnen Getreide vor- zuschießen, damit sie sich»bisz zu der ern hinpringen, ernern vnd des hungers ain wenig erwern möchten«. In gleicher Weise ersucht der Vogt von Kirchberg),»das den armen zimlich getraid gelihen werd, uff den winter zu bezaln mit geld oder getraid, so wollen sie tun als fromm lewt, ir leib vnd gut bei ewer aller erber weyshait lassen.« Wie verlockend mußten da die reich gefüllten Vorratskammern der Klöster und Edelsitze wirken! Manchen führt auch die UÜberzeugung, daß es einer gerechten Sache gilt, in das Lager der Aufständischen, unter denen»vil recht- geschaffener lewt vnd nit all bawren gewest«.»Es fällt zu uns und zu der Gerechtigkeit und zu dem Wort Gottes alle Menschen, die uns hören oder sehen« heißt es in einem Schreiben⁵) fränkischer Bauernführer.

So ballten sich die Massen zusammen,»also das schier gesprochen werden mocht, es hett an allen orten bawren geregnet« und wer nicht freiwillig mitziehen wollte, gegen den gebrauchte man Zwang. Die oberschwäbischen Bauern führten ein förmliches System der Acht und des Bannes ein. Dem Geächteten wurde ein Pfahl vors Haus geschlagen zum LZeichen, daßz er vogelfrei wäre, wenn er über denselben hinausginge,»vnd solt in der nächst, so im be- gegnete, erschlagen oder erstechen, vnd solt dem thäter kain schad darus volgen«. Anderorts wur- den die Widerspenstigen mit Raub und Brand pedroht, ganze Dörfer plötzlich überfallen und die Nichtsahnenden aus den Betten gerissen und zum Anschluß gezwungen. Das gewöhnlichste Verfahren war, daß man die Gemeinden schriftlich zum Anschluß aufforderte. So lautet das Aufmahnungsschreiben eines der fränkischen Bauernhaufen):»Vnsern grus zuvor in Christo! Lieben bruder! Wir empieten euch ernstlich, das ir uff das schierst vnd unverzogenlich zu vns kompt gen Dunkelspuhel, zu ewfern das hailig evangelium, des vnsern bruder vil gewaltigklich

zusammen,»daruff sein f. g. alspald ain pferd oder 60 dahingeschickt, sie uberfallen, durch die kopf hawen vnd also mit inen handeln lassen, das sie mordio, rettio geschrien, sich demnach von ainander getan vnd verpflicht hetten, sie wollten ir leben lang nymmer mer uff kain wursthof also zusamen komen«.(Z eifel 40.)

¹) Historia was sich im Bawernkrieg a. 1525 zu Kitzingen zugetragen hat von Hieron. Hauer bei Ge- orgii, Nachricht von der Stadt und dem Markgraftum Ansbach 107 ff.

²) Zweifel I. c. 347.

³) Zweifel I. c. 394.

¹) v. Falckenstein, Nordgauische Altertümer III, 325.

⁵³) Baumann, Quellen zur Geschichte des Bauernkriegs in Oberschwaben(Bibliothek des lit. Vereins in Stuttgart 129, 307).

) Zweifel 1. c. 292.