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Beschwerden vnd Bürden dermaßen übersetzt« seien,»daß wir dieselben füran nit zu dulden noch tragen mögen, wir wollten daun vns vynd vnsre arme kleine Kindlein an den ellenden Bettelstab richten.« Jetzt nimmt der Aufruhr einen allgemeinen Charakter an und richtet sich gegen alles, was an Besitz hervorragt, gegen die»so gelbe sporn füren«, gegen den»beschornen faulen haufen« sowie gegen die»Schmerbäuche« in den Städten ¹).»Mir mießen wasser trinken vnd sy wollen wein trinken, vnd mir mießzen das eißerst mit negeln aus dem Boden kratzen«, rufen die Werdensteiner Bauern ihrer Herrschaft zu ²), und den Nonnen von Heggbach drohen die»bösen Weiber«:»Sie müeßent nuß vnd die kien melcken vnd böß jubben tragen, vnd sy herin vnd saubere belzlin tragen«.*) In solchen und ähnlichen Xußerungen gab sich die Stim- mung des Volkes allenthalben kund. Lange genug, meinten die Bauern, hätten sie unter der Bank gelegen, nun wollten sie auch einmal auf der Bank liegen. Das gemeine Volk, sagt Zwei fel¹), wollte,»es sollten alle ding gemain, auch kain oberkait, herrschaft oder junkher- schaft, sondern ain gemaine bruderschaft sein, ainer als vil als der ander vnd nit mer haben, solt ainer dem andern schuldig sein zu leyhen, aber kainer, sölichs ime wider zu geben vnd zu bezalen fordern oder begern, sondern so ime kain bezalung seiner austenden schulden vnd gelihen geltz geschiht, sölichs gedulden«. Und so treten denn die Bauern zu»christlichen Ver- einigungen« zusammen, um alles abzustellen, was»wider das wort gottes vnd die liebe des nechsten«,»dagegen die glori vnd er gottes, das lebenthaftig wort, bruderlich lieb vnd christenliche ordnung helfen vffrichten, bestellen vnd vollstreckene oder wie die Formel auch kürzer heißt, um»dem göttlichen Recht einen Beistand zu thun«.
Und an diesem Schlagwoct entzündet sich der Aufruhr allerwärts.»Glich wie an fur qurch die ströheln fur vud fur brennet, also ist ain, gegne, landtschaft, märk vnd dörffer behend an andren nach zu emborung entzundt« ⁵). Zunächst schlug die Flamme der Empörung nach Oberschwaben hinüber. Zur Fastnachtszeit, erzühlt der Zeitgenosse Kessler’5),»do man zusamen wandlens pfligt, sind iren by sechs oder syben buren in ain dorf by Ulm, Baltringen genannt, zusamen kommen vnd sich viler dingen, schwebender lofen halb underredt, vnd wie dann zu der zit der buren bruch, von ainem dorff zum andren als zu iren nachburen umbzogen, gesellen- der wisz mitt an andren geessen vnd truncken, sind dann die selbigen buren im dorff och mitt inen furbas zogen; welcher dann sie fragt, wohin sie weltend, was sie thettend, antwurtend sy: wir holend by an andren das faßnacht kuchli, vnd in solicher gesellschaft sind sie alle dond- stag herumb geraißet vnd teglich an der zal zugenomen, bisz in die 400 man«. Diese Erzählung ist typisch für den Ausbruch der Empörung. Bei Wurst ³) und Wein erhitzen sich die Köpfe,
¹) Über das Bürgertum in den Reichsstädten heißt es in der Zimmer. Chronik III, 350:»sie hassen von natur vnd langem hergeprachtem herkommen allen adel vnd affectiren doch alle, sobald ainer ein narung bekompt, den adel«, eine Bemerkung, die auch heute noch anwendbar ist.
²) Werdenst. Chronik bei Baumann, Quellen zur Geschichte des Bauernkriegs in Oberschwaben 486 (Bibliothek des lit. Vereins in Stuttgart Bd. CXXIX.).
³) Heggb. Chronik bei Baumann l. c. 283.»Sie(die Bauerweiber) müssen Nußkälber(Mutterkälber) auffüttern und die Kühe melken und schlechte Joppen tragen, sie(die Nonnen) dagegen spielen die Herrinnen und tragen saubere Pelze.«
⁴¹) Rotenburg im Bauernkrieg herausg. von Baumann, in Bibliothek des lit. Vereins in Stuttgart Bd. CXXXIX, 13.
⁵³) Kessler, Sabbata in Mitteilungen des histor. Vereins von St. Gallen V, 335.
⁶)»In gestalt aines wursthofs« thun sich die markgräfl. Bauern von Weiltringen um die Faßtnachtszeit


