Aufsatz 
Hugo I. der Heilige, Abt von Cluny : 1. Teil
Entstehung
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Auch hier trägt die Darstellung Ezelo's ein so bestimmtes Gepräge, dass man unmöglich an eine weitere Ausschmückung Rainalds denken kann, viel eher könnte man des letzteren Bericht für eine Abkürzung aus jenem ansehen.

Wenn nun Lehmann für die Priorität Rainalds namentlich das Argument geltend macht, dass er das Prädicat»sanctus« oder»beatus« niemals unmittelbar vor den Eigennamen Hugo setze, sondern sich stets der Ausdrücke»vir beatus« oder»sanctus« und ähnlicher bediene, so bin ich geneigt, darauf ein sehr geringes Gewicht zu legen. Denn abgesehen davon, dass Rainald nur zweimal, in der Einleitung und am Schluss seiner Vita den Eigennamen anwendet er und die Leser, für welche er schrieb, standen dem Object noch persönlich zu nahe, für sie bedurfte es nur des»sanctus senex« oder»pater«, so finden sich doch jene Ausdrücke auch nur in Heiligenlegenden, sonst, aber nur bei Anreden. Aus demselben Grunde müsste auch Petrus Venerab. vor der Canonisation Hugo's geschrieben haben, denn in seinem Werke»de Miraculis I, 8 und 11 setzt er»sanctus« oder»beatus« auch nie unmittelbar vor den Eigennamen, sondern sagt stets sanctus pater, beatus pater Hugo, beatus vir, venerabilis ac sanctus pater« etc.; nur in der Ueber- schrift zu I, 15 ein Capitel, das übrigens aus Gilo(Anonymus I) entlehnt ist heisst es »quid beatus Hugo narraverit...« und immerhin ist es fraglich, ob die Capitelüberschriften von dem Verfasser selbst herrühren. Aus dieser Zufälligkeit des Stils also lässt sich wohl kaum die Folgerung ziehen, dass Rainald's Vita vor der Canonisation Hugo's geschrieben sein muss. Ja eine Andeutung in seiner Vorrede scheint darauf hinzuweisen, dass vor ihm bereits schriftliche Auf- zeichnungen über das Leben Hugo's vorhanden waren.»Quod si forte,« sagt er da,»alicuius altioris ingenii viri studium in hoc opere ante nos desudarit, non ut illum offuscare, me autem clarum facere velim, hoc agam, sed illius opus maiorum atque sapientium virorum excellentiae relinquendum, nostrum vero minorum atque minus capacium studio attribuendum puto.« Das ist doch wohl etwas mehr wie ein blosser Ausdruck mönchischer Bescheidenheit, der er ausserdem schon mit der stereotypen Redensart»devotioni, non praesumptioni inservire mihi consilium est« Genüge gethan hat, und Papebroch's Vermuthung, dass er mit jenen Worten auf Hildebert oder, wenn man lieber will, auf Gilo anspiele, ist mehr als wahrscheinlich.

Hier drängt sich nun die Frage auf, wann die verschiedenen Biographien entstanden sind. Der Mönch Hugo berichtet in dem Schreiben an Pontius: Qui(Calixt II) dum inter caetera saepius ageret de vita et miraculis b. Hugonis, non quorumlibet chartulas super his profusius exaratas attendit, sed personas authenticas in medio Clun. capituli praesentatas, de sancto quae viderant et audierant validius attestatas gratanter accepit. Das kann doch nur heissen: Das Leben und die Wunderthaten des Abtes Hugo, vielfach von glaubwürdigen Personen bezeugt, berechtigten ihn zur Canonisation, ohne dass man, wie in anderen Fällen, erst aus- führliche Schriften darüber zu erwarten brauchte. Würden denn der Papst und die Cardinäle, wenn solche Schriften bereits vorhanden gewesen würen, nicht auch davon Kenntniss genommen haben? Man begnügte sich mit dem Zeugniss von Augenzeugen, weil es eben noch keine ge- schriebenen Aufzeichnungen gab. So kommen wir also zu dem Schluss, dass sämmtliche Bio- graphien erst nach der Canonisation Hugo's, welche am 6. Januar 1120 erfolgte, entstanden sind, ein Ergebniss, welches in dem Inhalt derselben, von der ersten bis zur letzten, seine voll- ständige Bestätigung findet; man sieht es ihnen förmlich an, dass sie erst der Canonisation ihre Entstehung verdanken. Die Reihenfolge dürfte sich nun auch mit Leichtigkeit ergeben. Zuerst, gleich nach der Canonisation, schrieb Ezelo, aus ihm schöpften Gilo, dessen Vita, wie bereits oben bemerkt ist, in Rom entstand, und wahrscheinlich auch Rainald; der beiden ersteren Biographien ge- hören also in das Ende des Jahres 1120 oder den Anfang des Jahres 1121. Gilo's Schrift benutzte