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seine Schuldigkeit gethan, doch die Mönche hatten dadurch nicht viel gewonnen. Denn Anserich, der Bruder Rainalds, welcher nun das Erbe seiner Väter antrat, fuhr in der Belästigung des Klosters fort. Eines Tages erschien er unerwartet mit seiunen Schaaren vor demselben; die Mönche waren gerade in der Kirche und hielten ein feierliches Hochamt ab. Wie Engelstimmen klang ihr Gesang den wilden Rittern entgegen, unwillkürlich stiegen sie von den Rossen, traten in die Kirche und lauschten voll Andacht. Nach Beendigung des Gottesdienstes warf sich Anserich dem Prior zu Füssen und bat um Aufnahme unter die Zahl der Mönche, drei seiner Mannen folgten seinem Beispiel. Die Burg wurde nun Eigenthum der Mönche, aber da sie damit nichts anzufangen wussten, übergaben sie dieselbe dem Grafen Wilhelm von Nevers. Hiergegen erhob sich jedoch Hugo von Lurcy, ein Verwandter der Herren von La Marche, und von seinen Freunden unterstützt, zwang er den Grafen, die Burg herauszugeben. Von dort kam er häufig nach Charité und wurde endlich selbst Mönch, seine Gemahlin nahm den Schleier zu Marcigny, und da ihre Ehe kinderlos war, kam die Burg zum zweiteumal in den Besitz der Mönche von Charité. Auf den Rath benachbarter Barone, denen sie längst ein Dorn im Auge gewesen war, wurde beschlossen sie zu schleifen, und das Vorhaben eines Tages in aller Frühe, als die Burgmannen noch in tiefem Schlafe lagen, ausgeführt, und so gross war die Wuth gegen die Raubburg, dass man auch die Wohnungen der letzteren in Brand steckte. Nachdem sich diese von ihrer ersten Bestürzung erholt, sannen sie auf Rache gegen die Mönche und den Prior, den sie für den Urheber ihres Unglücks hielten; sie fielen über die Besitzungen des Klosters her und verheerten sie mit Mord und Brand, so dass den Mönchen nichts übrig blieb, als ihnen Mühlen, Landgüter u. s. w. zu Lehen zu geben. Darauf erfreute sich das Kloster einer langen Zeit des Gedeihens, und der Andrang zu demselben war ein so grosser, dass Abt Hugo an einem Tage einst vierzig Novizen einsegnete. Gewöhnlich lebten hundert Mönche in Charité. ¹)
Eine andere Gründung von nicht geringerer Berühmtheit war das Frauenkloster Mar- cigny. Abt Hugo hatte es mit Zustimmung seiner Brüder auf dem väterlichen Erbtheil errichtet ²) und reichlich für seinen Bestand gesorgt. Die Nonnen lebten unter demselben strengen Regi- ment wie die Mönche; einmal in das Kloster eingetreten, durften sie es nie wieder verlassen; weder auszureiten noch auszugehen war ihnen gestattet, und auch hier bestand dieselbe Vorsicht wie bei den Mönchen, keine Person wurde unter dem Alter von zwanzig Jahren aufgenommen. Die Verwaltung des Klosters leitete ein von Cluny gesandter Prior. ³)
Aber nicht allein auf seine eigentliche Heimath blieb der Orden von Cluny beschränkt, beinahe soweit Christen wohnen, verbreitete er sich. In Spanien war durch die Cluniacenser der Orden der Benedictiner erst eingeführt; ¹) auf die kirchlichen und politischen Verhältnisse dieses Landes übten sie, wie wir bereits gesehen, einen gewaltigen Einfluss aus, wiederholt nennt sie König Alfons in einer Urkunde, durch welche er den an Cluny jährlich zu zahlenden Zins auf 2000 Goldstücke erhöht,»meine Cluniacenser.«⁵) Die Besitzungen des Ordens waren daher hier sehr zahlreich, nicht weniger als 25 bedeutende Priorate zählt»das Verzeichniss der von Cluny abhängigen Abteien und Priorate« ³) auf, und von diesen waren die meisten unter Abt Hugo erworben.
Nach England kamen die Cluniacenser mit den Normannen, obwohl sie sich anfangs
¹) Vgl. das Schreiben Udalrichs an Wilhelm von Hirschau l. c. ²) Urkunde bei Martene Anecd. I, 243. Die Gründung fällt um das Jahr 1055. ³) Vgl. Gilo(Anonymus II) in Bibl. Clun. 445. ⁴) In einer Urkunde des Klosters Leyva bei Aguirre III, 242 heisst es von Cluny»de cuius sanctissimo fonte ordo b. Benedicti in his partibus prius emanavit.-« ³) Baluze III, 44. ⁶) Catalogus abb., priorat. etc. in Bibl. Clun. 1705 seq.


