Aufsatz 
Hugo I. der Heilige, Abt von Cluny : 1. Teil
Entstehung
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35 Cluny gesandten Abt Heinrich anzuerkennen und erlangten nach dem Ausspruch eines Schieds- gerichts in der That die Anerkennung der freien Abtwahl. ¹) Den Klöstern St. Bertin, St. Germain in Auxerre u. a. gelang es bald nach dem Tode Hugo's sich der Oberhoheit Cluny's vollständig zu entziehen.

Um ähnliche Vorgänge, die leicht vorauszusehen waren, zu verhindern, war Abt Hugo von Anfang an darauf bedacht gewesen kleineren Klöstern, die ihm übertragen wurden, ihre Selbst- ständigkeit vollständig zu nehmen, indem er sie zu Prioraten machte. Diese Priorate hingen»wie Glieder vom Haupte« von dem Mutterkloster ab, von dessen Abt die Prioren beliebig eingesetzt, ver- setzt und abgesetzt werden konnten und dem sie in allen Stücken zur Rechenschaft verpflichtet waren. Zunächst verloren die mit Cluny schon seit älterer Zeit verbundenen Klöster wie Sauxillange, Sou- vigny, Payerne, St. Marcel in Chalon u. a. ihre Aebte und erhielten Prioren. ²) Selbstverständlich kann diese Maassregel keinen anderen Zweck gehabt haben als etwaige Unabhängigkeitsgelüste zu unterdrücken. Auch viele andere Klöster von geringerer Bedeutung als jene oben genannten Abteien, von denen einige, z. B. St. Bertin und St. Germain ausdrücklich nur unter der Be- dingung Cluny unterworfen wurden, dass sie nicht in Priorate verwandelt werden durften, ³) theilten dies Schicksal. Denn je wirksamer man sich die Gebete der Cluniacenser bei Gott dachte, desto eifriger wurde das Bestreben sich ihre Gunst zu erwerben, und je allgemeiner der Glaube war durch gute Werke und darunter verstand man damals vorzugsweise Kloster- gründungen oder Geschenke an Klöster den Höllenstrafen entgehen zu können, desto zahl- reicher mussten die Schenkungen sein, zumal in jenen Zeiten der Umschlag von unbändiger Wildheit und rücksichtsloser Selbstsucht zu schwermüthiger Verzagtheit und weitgehendster Preigiebigkeit gerade nicht selten ist; ja man meinte geradezu durch Eintritt in ein Kloster oder Zuwendungen an ein solches ein sündhaftes Leben zu sühnen. ¹) Kein Zeitalter ist daher so reich an Klostergründungen wie die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts.»Allenthalben,« sagt Guibert von Nogent,)»begann man neue Klöster zu bauen und für die von allen Seiten zu- strömenden Mönche reichlich zu sorgen, in Städten, in Burgen, auf dem Lande, selbst in Wild- nissen sah man es plötzlich von Schaaren von Mönchen wimmeln.« Und ein nicht geringer Theil dieser Schenkungen und neuen Gründungen fiel Cluny anheim. Ich begnüge mich mit der Auf- zählung einiger der wichtigsten Priorate, am zahlreichsten sind dieselben im südlichen und mitt- leren Frankreich und in Burgund. Der Bischof und der Graf von Bigorre schenken das alte Kloster St. Lizier, dessen Zucht so gesunken war,»dass es weder Gott gefallen noch ihnen zum Heile ihrer Seelen förderlich sein konnte,« dem Abt Hugo, um mit dessen Leitung zu betrauen wen er wolle und wie er wolle,«) der Graf von Auch das Kloster St. Orens,*) der Erz- bischof von Auch St. Michel de Montaut,) der Bischof von Toulonse St. Marie de Daurade und St. Sernin,*) Isembert von Chatelaillon die Iusel Aix ¹⁹) an der Mündung der Charente, Herzog Wilhelm von Poitou St. Eutrope zu Saintes, ¹¹) Graf Bernhard von Armagnac St. Mont am Adour, ¹²) Wilhelm von Nevers St. Etienne zu Nevers; 13) Graf Theobald von Troies, den Abt zur

¹) Besly Histoire des comtes de Poictou, Paris 1647 Preuves 425. ²) Von Sauxillange ist es nach- gewiesen bei Cucherat, Cluny en XIwe siècle 25(ex catalogo abb. Celsin.): decimus Hugo de Mercorio, abbas et prior 1060, quia tune reducta est abbatia in prioratum per s. Hugonem Magnum. Ueber Payerne vgl. Gall. christ. XV, 389. ³) Urkunde Roberts von Flandern über St. Bertin in Bibl. Clun. 538. Ueber St. Germain Jaffé 4324.)»Nam vitam meam,« sagt der Vicomte Raimund von Cahors,»qua tam inique vivebam, ut christianis omnibus audire tantum nefarium sit, relinquens omnia religione monastica commutavi.(Migne CLIX, 976).) De vita sua I, 11. ¹⁹) Baluze III, 48 a. 1064.*) Gall. christ. I; instr. 171.) Migne 149, 901. ³) Vaissette l. c. Preuves 292. ¹⁰) Besly l. c. Preuves 354. ¹¹) Rec. des hist. 766. ¹²) Baluze III, 43 u. 44. ¹1⁸) Gall. christ. XII, instr. 332.