Aufsatz 
Hugo I. der Heilige, Abt von Cluny : 1. Teil
Entstehung
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VI.

Verbreitung der Congregation und der Regel von Oluny zur Zeit des Abtes Hugo.

Es ist überraschend, welchen Aufschwung das Mönchthum unter dem Anstoss Cluny's in kurzer Zeit nahm, dieses Kloster wurde vein lebendiger und unerschöpflicher Quell, aus welchem die Erneuerung der klösterlichen Zucht in fast ganz Europa geflossen.« Es entsand ein förmlicher Wetteifer unter weltlichen und geistlichen Grossen, verfallene oder neu gegründete Klöster seinen Aebten zur W jederherstellung und Besetzung zu übertragen, alte Abteien müssen sich ihrer Leitung fügen, Cluny's Colonien verbreiten sich bald über ganz Burgund und einen grossen Theil Frankreichs, seine Mönche tragen den Geist der Zucht in weit entlegene Klöster. Voll Durstes nach mönchischer Vollkommenheit strömen von allen Seiten Jünger herbei, um hier in die innersten Geheimnisse mönchischen Wandels zu dringen. Das Ideal, das sie hier kennen gelernt, suchen sie dann in ihrer Heimath, und soweit ihr Wirken zu dringen vermag, ins Leben zu führen. In diesem Geiste sind ein Wilhelm von Dijon, ein Richard von Verdun thätig. Nur wenige Klöster in Europa bleiben von dem Hauche, der von Cluny aus weht, ganz unberührt.

Aber so intensiv diese Bewegung auch ist, so weite Kreise sie schlägt, sie war doch nur getragen von der Begeisterung einzelner, wenn auch uoch so bedeutender Persönlichkeiten, und man musste es nur zu oft erleben, dass Klöster, in welchen die Zucht unter Cluny's Einfluss und Mitwirkung hergestellt war, bald wieder in die alte Zügellosigkeit zurückfielen. Und konnte das anders sein, so lange mächtige Laien nach Belieben über die Einsetzung der Aebte verfügten, so lange die einzelnen Klöster, in losem oder gar keinem Zusammenhang unter ein- ander stehend, fast keiner Aufsicht unterworfen, sich strengerer Zucht je nach dem Geiste, der unter ihnen waltete, fügen oder entziehen konnten? Allerdings hatten schon ein Richard von Verdun, ein Wilhelm von Dijon eine grosse Anzahl von Klöstern unter gemeinsamer Leitung vereinigt, aber mit ihrem Tode war das gemeinsame Band gelöst, ein jedes wandelte wieder seine eigenen Wege und nur in den wenigsten erhielt sich die Zucht. Es galt eine festere Coucentration des Mönchthums herbeizuführen und allen weltlichen Einfluss auf die Abtwahlen zu beseitigen, und dies ist das Ziel, das wir den Abt Hugo verfolgen sehen, ¹) ein Ziel, welches in engstem Zusammenhang mit der ganzen kirchlichen Bewegung jener Zeit steht. In einer Urkunde werden die Beweggründe offen angegeben. Mehrere Grosse des südlichen Frankreichs wenden sich an den Abt Hugo, damit er in dem ihuen untergebenen Kloster St. Pierre de Lézat die Zucht wiederherstelle.»Aber der Abt versicherte, dass er sich auf keinen Fall in diese Sache einlassen werde, wenn wir ihm nicht die Wahl des Abtes in der Weise überliessen, dass er selbst und seine Nachfolger für alle Zeit ohne irgend jemandes Einspruch das Kloster Lézat leiten könnten. Das aber, sagte er, thue er deswegen, damit er nicht sich umsonst bemühe und der einmal wiedergewonnene Ort in schlechtere Zustände falle.« ²) Diesem Bestreben des Abtes kam der Zug der Zeit entgegen. Wir sehen mächtige Fürsten ihre Rechte über grosse und reiche Abteien aufgeben und sie dem Abt von Cluny übertragen. So hatte ein Ritter,

¹) Chronol. abbat. Clun. in Bibl. Clun. 1622»monasticae religionis ordinem, laaius diffluentem, providentiae manu restrictius coarctavit.« ²) Vaissette, Histoire générale de Languedoc, Paris 1733, I. Preuves 281. Mabillon Act.§S. V. Praef.§ 6. Annal. V, 70. Musterschule 1879. 5