Aufsatz 
Hugo I. der Heilige, Abt von Cluny : 1. Teil
Entstehung
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dass das Kloster, das sonst au schriftstellerischen Talenten nicht arm war, auch beinahe keinen einzigen bedeutenden Geschichtschreiber, etwa Radolf den Kahlkopf ausgenommen, hervorgebracht hat; merkwürdig ist, dass gerade die Zeit des Abtes Hugo, die äusserlich glänzendste, welche das Kloster je erlebt hat, an litterarischer Productivität die dürftigste ist. Geradezu ablehnend verhielt man sich zur antiken Litteratur, namentlich der Dichter. Dämonen verglich man sie, die mitadem Gifte der Eitelkeit und des Hochmuths das menschliche Herz erfüllten und es vom Glauben abzögen. ¹) Verschiedene Aebte Cluny's lässt die Legende vor der Beschäftigung mit denselben durch Traumgesichter gewarnt werden. Die ganze litterarische Thätigkeit scheint sich vorwiegend auf Abschreiben von Messbüchern, Psalterien u. a. zum täglichen Bedarf beschränkt zu haben.

Auch auf körperliche Thätigkeit legte man in Cluny wenig Werth, man übte sie mehr, Wum den Vorschriften Benedict's zu genügen, als zur Beschaffung des Unterhalts, und auch sie wurde von Psalmengesang begleitet.»Bohnen zu schälen«, sagt Udalrich,»im Garten Unkraut zu jäten und zuweilen in der Bäckerei mitzuhelfen, darin besteht unsere ganze Arbeit.« Und bei der Ueberhäufung mit geistlichen Officien blieb für derartige Beschäftigung auch wenig Zeit. Zudem mochte jenes so anheimelnde Bild, wie es Wilhelm von Jumièges ²) von Abt Herluin von Bec und seinen Mönchen entwirft, wo am frühen Morgen nach vollbrachtem Gottesdienst der Abt mit dem Säetuch um den Hals, die Hacke oder den Spaten in der Hand, an der Spitze der Mönche aufs Feld geht, die einen den Acker von Dornen und Disteln reinigen, die andern auf den Schultern Dung herbeischleppen und ausstreuen, jene graben, diese säen, dazu bei harter Arbeit schmale Kost ³) für dieses Bild mühsamen Fleisses mochte in dem aristokratischen Cluny kaum ein Platz gewesen sein. Reiche Schenkungen hatten in mehr als hinreichender Weise für den täglichen Unterhalt gesorgt, zahlreiche Colonen bebauten die Besitzungen des Klosters, beaufsichtigt von Dekanen, die für die rechtzeitige Ablieferung der Ernten au den Bruder Kellermeister zu sorgen hatten. Diesem lag die Sorge für die leiblichen Bedürfnisse der Brüder ob, zur Zeit der Ernte bereiste er die Meiereien des Klosters, um sich von dem Ergebniss derselben zu überzeugen. Jeden Sonnabend wurde für die kommende Woche der Speisezettel fest- gestellt und die nöthigen Vorräthe von den Dekaneien herbeigeschafft.

Den Dienst in der Küche verrichteten, von Woche zu Woche wechselnd, je vier Brüder. Im Sommer wurden meist zwei Mahlzeiten gehalten, das Frühstück um 12 Uhr und das Haupt- essen nach der Vesper, also etwa um 6 Uhr Abends. Im Winter und an den Fasttagen ass man nur einmal und zwar nach der Non, um 3 Uhr Nachmittags. Mit Ausnahme der Fasten- tage wurde indess nach der Prim, etwa um 6 Uhr Morgens, noch eine kleine Erfrischung, be- stehend in Brod und Wein, das sogenannte»mistum« bewilligt. Die gewöhnlichen Speisen waren in Schweineschmalz gekochte Bohnen oder Kohl, Eier, Käse und Fische. Nach besonders an- strengenden Officien und an manchen Gedächnisstagen wurden reichlichere Portionen, 2. B. statt der gewöhnlichen Zahl von drei Eiern deren fünf u. s. w. verabreicht und ausser dem gewöhn- lichen Quantum Wein, etwa ¼ Liter, gab es einen Liqueur, aus Wein, Honig und Absinth be-

¹) Merkwürdig ist in dieser Hinsicht folgende Stelle des Rad. Glab. II, 12: Is(Vilgardus Ravennas) cum ex scientia suae artis(scil. grammaticae) coepisset, inflatus superbia, stultior apparere, quadam nocte assumpsere daemones poetarum species, Virgilii et Horatii atque Juvenalis, apparentesque illi fallaces retulerunt grates, quoniam suorum dicta voluminum chafius amplectens exerceret seque illorum posteritatis felicem esse praeconem, promiserunt ei insuper suae gloriae postmodum fore participem. Hisque daemonum fallaciis depra- vatus, coepit multa turgida docere, fidei sacrae contraria, dictaque poetarum per omnia credenda esse asserebat. Ad ultimum vero haereticus est repertus... ²) Historia Northm. VI, 9(Migne CXXXXIX, 838). ³) Victus quotidianus panis siligineus et herbae cum aqua et sale.