Aufsatz 
Hugo I. der Heilige, Abt von Cluny : 1. Teil
Entstehung
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nicht, Lambert ging auf seinem Rückwege in das Lager des Gegenpapstes Clemens über, worauf er von Gregor excommunicirt und unwiderruflich abgesetzt wurde. ¹)

Nach so erbitterten Kämpfen, und ich habe hier nur einige Scenen vorgeführt, trat eine Zeit verhältnissmässiger Ruhe ein, der Widerstand des französischen Clerus war gebrochen, und in keinem Lande findet man fortan einen Rom treuer ergebenen Episcopat als hier; sehr viele Bischofsitze waren mit Mönchen besetzt, die entweder aus Cluny selbst hervorgegangen waren oder doch mit diesem Kloster die engsten Beziehungen unterhielten. Was Wunder, dass sein Abt nicht allein, wie wir gesehen, ein beispielloses Vertrauen auf allen Seiten genoss, sondern sich auch einer persönlicher Verehrung erfreute, der ich gleichfalls nichts ähnliches an die Seite zu setzen weiss. Ihm, schreibt Bischof Gerewin von Amboise an Lambert von Arras, seien alle Gläubigen Ge- horsam schuldig, ²) als»der Abt heiligen Wandels, hochberühmt über den Erdkreis«, wird er in einem andern Schreiben gefeiert, ³) auf seinen Rath werden Concilien berufen,) sein Einfluss in Anspruch genommen, um langwierigen Fehden ein Ziel zu setzen. 5)

V.

Die Gebräuche von Cluny.

Verschiedene Umstände hatten am Ende des neunten Jahrhunderts eine fast vollständige Vernichtung der klösterlichen Zucht herbeigeführt: die Habsucht der geistlichen und weltlichen Grossen, die zerstörende Wuth der Normannen, die Schwäche der menschlichen Natur. In den Klöstern, so ungefähr schildern den damaligen Zustand die Verhandlungen des Concils von Trosly,) lagen die Feudalherren mit ihren Weibern und Kindern, mit ihrem Gesinde und Jagd- hunden und verzechten und verprassten die Einkünfte derselben, die Mönche lebten entweder in völliger Zuchtlosigkeit oder hatten ihre Klöster verlassen und trieben sich bettelnd oder welt- lichen Handtierungen nachgehend im Lande umher, von aller Welt verspottet und verachtet. Die Regel Benedicts ist peinahe in Vergessenheit gekommen, ja, kaum noch fand man einen Abt, der lesen konnte. Die mönchische Zucht im Westen Europa's erneuert zu haben, ist das unbe- streitbare Verdienst Cluny's.

Gegründet im Jahre 910 bildete sich in diesem Kloster bald eine eigenthümliche, von der Regel Benedict's vielfach, wenn auch nur in Nebendingen abweichende Lebensart heraus. Zunächst hatte die alte Mönchstracht schon früher in Frankreich einige Veränderungen erfahren, die durch Benedict von Aniane, der zuerst eine Concentration des gesammten Mönchthums ins Auge fasste, für alle Klöster eine bestimmte Form erhielten. An sie scheint sich die Tracht der Cluniacenser angeschlossen zu haben.) Von der alten Tracht unterschied sich die neue durch das Bestreben, den menschlichen Körper möglichst zu verhüllen, ein Bestreben, das seinen Ursprung mehr Gründen der Sittlichkeit als des Klimas verdankte. Ein langärmliges Ober-

¹) Reg. VIII, 59. ²) Baluze II, 141ex precatu domni Hugonis Clun. abb., cui a cunctis fidelibus obtemperandum... ³) Schreiben des Grafen Roger von Foix und seiner Gattin Amica bei Martene Thes. I, 311, Mabillom Annal. IV, 677,tibi, Hugo, sancte viventi, famosissimo per orbem abbati.... ⁴¹) Mansi XX, 801. ) Vita Hugone monach. auct. I. c. ³) Mansi XVIII, 263 sed.*) Vgl. bierüber Mabillon's Vorrede zu saec. V der A. SS. ord. s. B.§ 4.