Aufsatz 
Hugo I. der Heilige, Abt von Cluny : 1. Teil
Entstehung
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andern mehr Anlage, als zu einem reumüthigen Sünder, er suchte sich vielmehr durch Waffen- gewalt in seinem Bisthum zu behaupten. Da erklärte Gregor seine Absetzung»der Grösse seiner Unthaten gemäss für eine sehr gerechte« und forderte die Einwohner von Reims und den Grafen von Roncy auf, Gewalt mit Gewalt abzuwehren, deu König Philipp, die Sache desselben nicht länger zu unterstützen. ¹) Manasse musste seinen Gegnern weichen und begab sich in das Lager Heinrich's IV, wo wir um Pfingsten d. J. 1081 zum letztenmal seinen Spuren begegnen. ²) Eine gleiche Rolle als Vertrauensmann beider Parteien fiel dem Abt von Cluny in der wilden Fehde, die im Anfang der achtziger Jahre um das Bisthum Térouanne entbrannte, zu. Nach dem Tode des alten Drogo war daselbst ein gewisser Humbert zum Bischof gewählt worden, aber da er bald mit dem mächtigen Grafen Robert I von Flandern in Streitigkeiten ge- rieth, so hatte er seiner Würde freiwillig entsagt und sich in das Kloster St. Bertin zurück- gezogen. ³) Um das erledigte Bisthum bewarb sich bei König Philipp ein Mann aus vornehmem Ge- schlecht, Namens Lambert, und obwohl er noch nicht einmal die untersten Grade der priesterlichen Weihen empfangen, führten ihn reiche Geldspenden doch zum Ziele. Aber der neue Bischof fand bei einem grossen Theile des Clerus von Térouanne einen ebenso unerwarteten, als entschlossenen Widerstand, auf dem Concil von Melun i. J. 1082 von Hugo von Die gebannt und abgesetat, musste er sogar eine Zeit vor seinen Gegnern das Feld räumen. Der Vertriebene fand Unter- stützung bei dem Grafen Robert, an der Spitze eines Heeres führte ihn derselbe nach Térouanne zurück. Die Geistlichen hatten sich in die Kirche geflüchtet und die Thüren verschlossen, vor dem Hauptportale streckte das Christusbild mit drohender Rechten dem Eindringling die Bannbulle entgegen; Lambert riss sie mit solcher Gewalt weg, dass der Arm zugleich mit her- ausflog. Dann wurden die Thüren eingeschlagen, die Geistlichen mit Schwerthieben aus der Kirche gejagt, ihre Häuser der Plünderung preisgegeben und alle, die sich weigerten, mit dem excommunicirten Bischof zu verkehren, aus der Stadt vertrieben.) Aber Lambert sollte sich seines Glückes nicht lange erfreuen, die verjagten Cleriker reizten den stets rauflustigen Adel des Landes gegen ihn auf, und der liess sich eine so günstige Gelegenheit, über die Güter des Bis- thums herzufallen, nicht entgehen. Graf Eustach von Boulogne und ein Ritter Oilard drangen eines Tages selbst in Térouanne ein, erbrachen die Thüren der Kirche, raubten die seidenen Messgewänder, die goldenen und silbernen Gefässe und verschonten selbst die Crucifixe und Re- liquien nicht. Den Bischof fand man betend vor dem Altar liegen, er wurde hinausgeschleppt und grässlich verstümmelt, indem man ihm die Zunge aus dem Munde riss und die Finger der rechten Hand abschnitt, um ihn für immer für das priesterliche Amt untauglich zu machen.) Graf Robert, der seinen Günstling nicht zu schützen vermocht hatte, drang nun selbst auf Ver- söhnung mit Rom, er schickte Lambert mit einem Schreiben an den Papst, worin er um eine nochmalige Untersuchung der Sache des vielgekränkten Mannes bat. Sein trauriges Geschick erregte bei Gregor Mitleid, er löste ihn vom Banne, nachdem er ihn hatte schwören lassen, dass er sich in Betreff des Bisthums der Entscheidung seines Legaten unterwerfen wolle. Dem Legaten Hugo, nunmehr Erzbischof von Lyon, trug er auf, eine neue Untersuchung zu ver- anstalten, und da derselbe wegen seines Zwistes mit König Philipp sowohl dem Grafen Robert wie dem Bischof Lambert kein vorurtheilsfreier Richter schien, bestimmte er, dass der Abt von Cluny,»ein gewichtiger und erlauchter Mann«, mit hinzugezogen würde.) Indess kam es dazu

64 ¹) Reg. VIII, 17, 18, 19. ²) Guibert. de Nov. I. c. Benzo(M. G. SS. XI, 656) nennt ihn»Philippi, regis Francorum, venerabilem legatum.« ³) Joannis Iperii Chronicon bei Martene Thes. III, 587.) Reg. VIII, 53- ) Reg. VIII, 53. ³⁶) Reg. VIII, 55 u. 56.