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beigewohnt hätte, so dass er als apostolischer Legat gelten könne. So schreibt Gregor an den Bischof Rainer von Orleans, der sein Bisthum durch Vergeudung der Kirchengüter, Verkauf der Messgewänder, Kelche, Räuchergefässe und sonstiger Geräthschaften zu Grunde richtete, er solle sich auf einer demnächst von Hugo von Die, Hugo von Cluny und dem Subdiacon Roger in jenen Gegenden zu haltenden Synode verantworten. ¹)
Auch mit dem Process gegen Berengar von Tours finden wir den Abt beschäftigt, er hatte sich selbst an den Papst gewandt, um Anweisungen zu erhalten, welche Maassregeln er gegen denselben ergreifen solle. Gregor antwortete, dass die Geistlichen, welche nächstens von Rom nach Frankreich zurückkehren würden, ihm seinen Entschluss über Berengar übermitteln würden. ²)
Mehr in Anspruch genommen wurde die Thätigkeit des Abtes durch die Wirren, welche der Erzbischof Manasse I in der Diöcese Reims verursachte. Einem vornehmen Geschlecht der Champagne entstammend, brachte dieser Kirchenfürst alle Neigungen eines Feudalherrn des 11. Jahrhunderts in seinen geistlichen Stand mit. Die Pflichten, die ihm derselbe auferlegte, waren ihm eine Last, wird ihm doch sogar die Aeusserung in den Mund gelegt,»das Bisthum Reims wäre gut, wenn man darin keine Messe zu lesen brauchte.« ³⁵) Hochmüthigen und leidenschaft- lichen Sinnes scheute er vor keiner Gewaltthat gegen die zurück, welche sich seinem Belieben zu widersetzen wagten. Als Stütze gegen seine vielen Feinde diente ihm ein zahlreiches Gefolge von Kriegern und zur Unterhaltung derselben hauste er wie»ein räuberischer Wolf« mit dem Gute der Kirche. Namentlich waren es die Klöster, welche seine schwere Hand zu fühlen hatten; das Remigiuskloster liess er nach dem Tode des alten Heriman i. J. 1071 fast zwei Jahre lang unbesetzt, um die Güter desselben um so ungestörter ausbeuten zu können. Einige Mönche, die ihre Klagen nach Rom zu tragen wagten, liess er aus dem Kloster treiben, Laien, welche die- selben unterstützt hatten, blenden. Endlich erkor er auf das Drängen Gregors— der Abt von Cluny musste auch hier wieder den Vermittler spielen— den Abt Wilhelm vom Arnulfs- kloster in Metz, in der Hoffnung, dass dieser,'ein friedfertiger, demüthiger und ruhiger Mann, dessen ganze Aufmerksamkeit auf seine Studien gerichtet war«, ihm nicht allzugrossen Wider- stand entgegensetzen werde. Aber er hatte sich in dem unscheinbaren Abt getäuscht, derselbe trat mit grosser Entschiedenheit gegen den Erazbischof auf und bald kam es zwischen beiden zu den heftigsten Auftritten, vor allem Volke nannte der Bischof den gelehrten Abt einen»Narren- (follem), ein Schimpf, der diesen so kränkte, dass er freiwillig seiner Würde entsagte und sich wieder nach Metz zurückzog. ⁴)
Indessen hatte sich auch unter dem Clerus von Reims eine starke Partei gegen den Erzbischof gebildet, und als er gegen dieselbe mit den alten Mitteln, Excommunication und Vertreibung vorging, wandten ihre Häupter, der Domherr Manasse und der Magister Bruno, der Gründer des Carthäuserordens, mit ihren Beschwerden an den Legaten Hugo von Die.
*) Reg. V, 20 u. 22, vom 24. April, resp. 22. Mai 1078. ²) Reg. V, 21, 7. Mai 1078. ³) Guibert de Novigento de vita sua I, 11(Migne CLVI, 853). ⁴) Die heftige litterarische Fehde des Abtes gegen den Erz- bischof bei Mabillon Analect. vett. 455 sed. In einem Schreiben an einen befreundeten Abt entwirft Wilhelm von dem Erabischof folgendes Bild:»Ceterum videbam in illo cervicem inflexibilem et erectam, oculos plenos furoris huc illucque currentes, nares spirantes contemptum sermonem varium sibique dissimilem, nulla conse- quentia nullaque ratione constantem, humeros iactabiles, pedes instabiles, incessum inaequalem, incompositum, indecorum, manus rapaces, violentas, promptas ad caedem et iniuriam proximorum.« Die Erbitterung des Abtes gegen den Erzbischof macht sich in Ausdrücken wie»rapacissimus lupus, fera pessima, monstrum horribile, cruentissima, trux, immanis bestia«, welche er demselben entgegenschleudert, Luft.
Musterschule 1879. 4


