Aufsatz 
Hugo I. der Heilige, Abt von Cluny : 1. Teil
Entstehung
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naiv der eifrige Mönch von St. Evroul dazu,haben die Priester bereits willig aufgehört, aber von ihren Weibern sich trennen und der Keuschheit sich befleissigen, wollen sie noch immer nicht. Ja, die Einwohner von Cambray gingen sogar soweit. dass sie einen Menschen, der be- hauptete, man dürfe bei einem verehelichten Priester die Messe nicht hören, verbrannten. ¹) Die Mönche, welche für Beachtung der gregorianischen Decrete auftraten, verfolgte man mit Schimpf- worten und Schmähungen, drohte ihnen mit dem Tode, Ansteckung des Klosters und gänzlicher Ausrottung. So sassen sie voll Furcht in ihren Zellen, kaum eiue Stunde ihres Lebens sicher. ²)

Indess Gregor war nicht der Mann, der sich durch Schwierigkeiten von seinen Eut- schlüssen zurückschrecken liess. Um einen günstigeren Erfolg zu erzielen, bedurfte es einiger Aenderungen des Systems, das man bisher verfolgt. Die gallicanische Kirche sollte einer stän- digen Ueberwachung unterworfen werden und dazu waren Legaten, die häufig wechselten und mit Personen und Dingen sich vertraut zu machen kaum Zeit fanden, oft auch Beeinflussungen sehr materieller Art unterlagen, weniger geeignet, als einheimische, mit den Landesverhältnissen vollkommen vertraute Bischöfe. Es galt nur die richtigen Männer unter ihnen zu finden, und es zeugt nicht am wenigsten für den Scharfblick Gregors, dass er sie zu finden wusste. Er übertrug gegen das Ende des Jahres 1075 das Vicariat in Frankreich dem Bischof Hugo von Die, einem Manne, der ganz erfüllt von gregorianischem Geiste mit rücksichtsloser Strenge und rastlosem Eifer über zwei Decennien die gallicanische Kirche beherrschte. Bald gab es in ganz Frankreich kaum einen Bischof, der nicht seine schonungslose Hand zu fühlen gehabt hätte, niecht Alter noch Gebrechen fanden vor ihm Gunade, selbst den achtzigjährigen Drogo von Térouanne, halb erblindet und erlahmt, suspendirte er von seinem Amte. Kein Wunder, dass solche Härte grosse Erbitterung erregte, die sich auf den Concilien, deren er, von Bischofsitz zu Bischofsitz ziehend, in jedem Jahre mehrere zu halten pflegte, oft in stürmischen Scenen Luft machte. So erzwang sich auf dem Concil zu Poitiers i. J. 1078 das Gefolge des Erz- bischofs Rudolf von Tours mit Axt und Beil Zutritt zur Versammlung und sprengte sie ausein- ander. ³) Oft auch langten Beschwerden in Rom ein, und Gregor selbst konnte nicht umhin, die allzugrosse Strenge des Bischofs zu tadeln und ihm ein nachsichtigeres und milderes Verfahren anzuempfehlen. 4) Aber das beste Gegengewicht, welches er dem übereifrigen Legaten geben konnte, war, dass er ihm in allen wichtigen Fällen die milde Persönlichkeit des Abtes von Cluny zur Seite stellte. Diesen seinen Eutschluss thut er dem Bischof in einem Schreiben vom 12. Mai 1072 kund.»Wir wollen«, heisst es in demselben,)»dass du unsern Bruder Hugo, den verehrungswürdigen Abt von Cluny, in unserm Namen dringend ersuchst, der Synode bei- zuwohnen, sowohl aus vielen andern Gründen, als auch besonders, damit in Sachen der Kirche von Clermont mit Gottes und seiner Hülfe eine endgültige und feste Entscheidung getroffen werde. Denn wir vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit und den Wandel jenes, dass ihn keine Fürbitte, Gunst oder gar irgendwelche persönliche Parteinahme vom Wege des Rechten wird abbringen können.

Obwohl sich des Abtes Thätigkeit auf diesen Concilien im einzelnen unserer Kenntniss entzieht, so kann man doch dreist mit Mabillon) behaupten, dass fast keine Sache in Frank- reich ohne ihn verhandelt, kein Concil gehalten worden sei, dem er nicht auf Befehl des Papstes

erat, ut presbyteri publice uxores ducerent, nuptias celebrarent, filios ac filias procrearent, quibus haereditario iure post obitum suum ecclesias relinquerent, ſilias suas nuptui tradentes multotiens, si alia deesset possessio, ecclesiam dabant in dotem...

1) Reg. IV, 21.*) Chronic. Watin. bei Martene, Thes. III, 810.*) Vgl. den Bericht Hugo's an den Papst bei Mansi XX, 469. ¹) Reg. II, 43.) Reg. IV, 22.) Annal. V, 126. 5