bitte dich, Ersehntester«, heisst es in dem Schreiben,*)»aufs inständigste, wenn du noch eine Spur von Liebe hast, wenn das Andenken an deinen Sohn und Zögling noch nicht aus deinem Herzen verschwunden ist, meine heissesten Wünsche zu erfüllen und durch deine Gegenwart mich und deine Mutter, die hl. römische Kirche zu trösten; oder sollte das nicht geschehen können, doch wenigstens solche von deinen Söhnen, meinen Brüdern, zu uns zu senden, in denen ich dich sehen, dich aufnehmen, aus deren Munde ich Worte deines Trostes vernehmen kann, die mir deinen liebevollen Sinn vergegenwärtigen, mir Kunde bringen von deinem und uunserer Brüder Befinden.« Mit allen nur denkbaren Beweisen päpstlicher Huld wird das Kloster und sein Abt förmlich überschüttet. In einer Urkunde vom 1. November 1088 werden die Freiheiten des Klosters in weitestem Umfange bestätigt ²) und dem Abt das Tragen der bischöflichen Insignien mit folgenden Worten gewährt:»Dir, heiligster, ehrwürdigster und geliebtester Bruder, gebührt sowohl aus alter Freundschaft des apostolischen Stuhls, als aus besonderer Achtung für deine und deines Klosters Heiligkeit ein vorzüglicher Beweis unserer Liebe; ausserdem macht mich zu deiner und deines Klosters Schuldner, dass ich durch dich in die Anfänge mönchischer Zucht eingeweiht und in deinem Kloster durch die Gnade des hl. Geistes wiedergeboren bin.« Es ist, als ob der Papst der Worte der Anerkennung und Zuneigung für sein Lieblingskloster nicht genug finden kann. Bulle auf Bulle wiederholt sich zu Gunsten desselben, eine immer die andere, ich möchte beinahe sagen, an Liebkosungen überbietend.»Unter den Söhnen der römischen Kirche,« heisst es in einer am 9. Januar 1097 ausgestellten, ³)»glänzt die Congregation von Cluny, der Fülle der göttlichen Gnade in höherem Grade, als andere Klöster theilhaftig, wie eine zweite Sonne auf Erden, so dass für sie besonders das Wort des Herrn sich eignet:»»Ihr seid das Licht der Welt.«« Darum kann ich deinen Bitten, theuerster Bruder Hugo, um so weniger meine Zustimmung versagen, weil ich weiss, dass auch der Schöpfer aller Dinge für euren heiligen Wandel euren Wünschen Erfüllung gewährt.« Dann werden den schon früher ertheilten Privilegien neue hinzugefügt, als ein Ksyl für alle Sünder und Verfolgte wird Cluny und seine Töchterklöster bestimmt:»Es öffue sich allen Bedrängten als ein Schooss des Erbarmens, als ein Hafen der Liebe und Errettung; brüderliche Aufnahme finde der Gerechte und nicht sei sie ver- sagt dem reumüthigen Sünder,selbst nicht der Gebannte werde zurückgestossen, der euch aufsucht zur Errettung seiner Seele oder Bestattung seines Leibes.« Am meisten häufen sich natürlich diese Beweise päpstlicher Gunst während des Aufenthalts Urbans in Frankreich, und nicht allein das Mutterkloster, auch fast eine jede seiner zahlreichen Dependenzen hat»der Liebe des Papstes zum Abt Hugo« Bestätigung seiner Privilegien und Besitzungen zu verdanken. Nach Cluny selbst kam der Papst, von einem zahlreichen Gefolge von Prälaten begleitet, am 18. October und verweilte daselbst über eine Woche. Am 25. October weihte er den Hauptaltar der neuen Kirche und dabei hielt er eine Rede, in welcher er hervorhob, dass unter den Gründen, die ihn bewogen hätten, nach Frankreich zu kommen, der erste und vorzüglichste der gewesen sei, dass er das Kloster Cluny, ihm durch besondere Verwandtschaft verbrüdert, durch seine Gegenwart erfreue und für seinen Nutzen sorge. Das that er, indem er die Grenzen, innerhalb deren um das Kloster ein steter Gottesfriede herrschen sollte, festsetazte und den Baronen der Umgegend bei Strafe des Bannes verbot, von den nach Clany wallenden Pilgern ein Wegegeld zu erheben. ⁵) Hierauf begab er sich zu dem grossen Concil nach Clermont. Unter der grossen Menge vou Kirchenfürsten, welche dorthin zusammenströmten, treffen wir auch den Abt Hugo,⁶) und ausser der grossen
¹) Jaffé 4018. ²) Jaffé 4025. ³) Jaffé 4250. ¹) Jaffé 4182, 88, 94, 95, 96, 4208, 20, 25, 27, 28, 30, 31.
) ib Clun. 511. Bouquet XIV, 100. ³)»Cui(synodo Clar.) ipse interfnisti« heisst es in einer Bulle Paschals II, affé 4373.


