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war, aufzusuchen. Der König fühlte sich gekränkt, dass der Abt seinetwegen die Peterskirche gemieden und liess ihm sein Missfallen durch eine Gesandtschaft ausdrücken. Der Abt erwiderte, dass er nicht etwa aus Missachtung gegen den König oder gar die Apostel also gehandelt, sondern in guter Absicht; denn eher würden ihm die Apostel verzeihen, dass er sie übergangen, als der strenge Papst, wenn er unter dem Schein des Gebetes den König zuerst aufgesucht hätte, und dem Zweck seiner Ankunft würde das nicht förderlich gewesen sein. Der König zeigte sich durch diese Antwort befriedigt, aber auf Nachgiebigkeit von seiner Seite war um so weniger zu rechnen, als er gerade jetzt im Vertrauen auf seinen Vertrag mit dem römischen Adel nahe daran zu sein glaubte, den Papst zu bedingungsloser Unterwerfung zu zwingen. Es mochte der letzte Versuch einer Aussöhnung sein, den der Abt machte, indem er dem bereits auf dem Rückwege nach der Lombardei befindlichen König nach Sutri nacheilte. ¹1) Aber trotz aller Zuvorkommenheit gegen den Abt— er leistete demselben sogar durch einen Kniefall Genug- thuung, dass er auf seiner Reise von einem seiner Anhänger, dem Bischof von Brescia, gefangen genommen war— ging er doch nur mit Widerstreben auf den Vorschlag desselben ein, einem Concil, das im November zu Rom zusammentreten sollte, den Austrag des Streites zu überlassen, und bald scheint ihn auch dieses Zugeständuiss gereut zu haben; er befürchtete wohl, dass die ihm feindlichen Elemente die Ueberhand auf demselben gewinnen könnten. Daher suchte er das Zustandekommen desselben zu verhindern, indem er gegen sein Versprechen die nach Rom reisenden Prälaten theils gefangen nahm, theils zur Umkehr zwang. Den Abt von Cluny, welcher den Sommer hindurch in Italien verweilte und auch Monte Cassino, mit dessen Abt Desiderius er eine Verbrüderung der beiden Klostergemeinden schloss, besuchte,²) scheint dieses Vorgehen des Königs besonders empfindlich getroffen zu haben; denn von nun an, sagt Bonitho, ³) sah auch er denselben als einen Gebannten an; war doch die Berufung eines Concils sein eigenstes Werk gewesen, mit ihm schien die letzte Aussicht auf den ersehnten Frieden gescheitert. Doch trote dieser Missbilligung des Verfahrens Heinrichs dürfte er den Verkehr mit demselben schwerlich ganz abgebrochen haben. Vielleicht geschah es auf seine Verwendung, dass der Bischof Odo von Ostia, der ebenfalls das Schicksal der Gefangenschaft getheilt hatte, so bald entlassen wurde. Im August d. J. 1085 finden wir diesen Cardinal auf seiner Rückkehr aus Deutschland mit dem Abt zusammen in Nantua, einem Cluniacenserpriorat in der Diöcese Lyon, um daselbst die Gebeine des hl. Maximus zu erheben, und bei dieser Gelegenheit erfahren wir, dass Hugo nicht allein über die Verdienste jenes Heiligen sprach, sondern auch über die Thaten des Papstes Gregor, dessen Sache damals fast allgemein auf dem ganzen Erdkreis verhandelt wurde;¹) ein so lebendiges Interesse vermochte dieser gewaltige Papst noch nach seinem Tode einzuflössen. Er war am 25. Mai gestorben mit dem Bewusstsein, einer grossen Idee sein Leben geopfert zu haben.
Nach Gregor's Tode brachen ernste Zerwürfnisse in der kirchlichen Partei aus, indem ein Theil der Cardinäle jetzt das grösste Hinderniss für die lange angestrebte Versöhnung zwischen Kaiserthum und Papstthum beseitigt glaubte und ernstlich nach einer Beilegung des unheilvollen Streites trachtete. Dieser Partei gelang es, nach mancherlei Schwierigkeiten die Wahl des Abtes von Monte Cassino zum Papst durchzusetzen. Mit Hugo von Cluny stand derselbe seit langer
¹) Wir erhalten von dieser Zusammenkunft allein Kunde durch Rainald Il. c. 652. Alle Umstände weisen darauf hin, dass sie um den 4. Juli, an welchem Tage sich der König zu Sutri befand(Stumpf R. K. 2852) stattgehabt. Dann aber kann sie nar den im Text angegebenen Zweck gehabt haben, eine Ansicht, die auch Giesebrecht III, 538 vertritt. Vgl. auch Lehmann l. c. 36, A. 54. ²) Chronic. Cas. II, 51. M. G. SS. VII, 741. ³) Bonith. ad amic. IX I. c. 678. ⁴) Historia translationis reliquiarum s. Maximi apud Nantuacum bei Mabillon êet Ruinart, Ouvrages posth. III, 335 seq.


