Aufsatz 
Hugo I. der Heilige, Abt von Cluny : 1. Teil
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Ehre und Gehorsam bezeigen werde, wie sie den Landesbischöfen. ¹) Am Hofe trat ihm der Mönch Robert, dessen Einfluss sich der König ganz überliess, offen entgegen. Derselbe hatte eifrige Unterstützung bei der Königin Agnes gefunden, deren Ehe als den Kirchengesetzen wider- sprechend sie war eine Base der ersten Gemahlin des Königs Gregor geschieden wissen wollte, und beide widersetzten sich der Einführung der römischen Liturgie, die ohnehin nur mit Widerstreben bei Volk und Geistlichkeit aufgenommen wurde. Die Lage schien dem Legaten s0 bedrohlich, dass er sich unmittelbar nach Rom mit Beschwerden gegen das Treiben der Cluniacenser wandte. Gregor forderte darauf in einem sehr entschiedenen Schreiben den Abt Hugo auf, jenen Mönch Robert,»der voll Bosheit sich nicht gescheut, sich gegen das Ansehen des hl. Petrus zu erheben,« sofort aus Spanien abzurufen und auf das Strengste zu bestrafen, sowie auch die übrigen Mönche seines Klosters, die zahlreich über das Land zerstreut, sich oft eigenmächtige Handlungen, wie Priesterweihen u. s. w. erlaubten, zurückzuziehen, ferner seinen Einfluss bei dem König aufzubieten, dass er dem gekränkten Legaten Genugthuung leiste und sich für die Zukunft dessen Anordnungen füge. Im Uebrigen wolle er nicht glauben, als ob der Abt irgend welche Mitschuld an jenen Vorfällen trage,»besonders,- fügt er hinzu,»da du unserem Glauben einen alten Beweis bietest, nämlich den, dass du über die Ehre der römischen Kirche ebenso deukst wie ich, und von dieser einmal gefassten Ueberzeugung soll uns kein Ge- rede und keine Verdächtigung abbringen.« ²) Mit dem gleichen Vertrauen drückte er sich in Betreff des Abtes in dem in der nämlichen Angelegenheit an König Alfons gerichteten Schreiben aus:»In demselben Wege, demselben Sinne, demselben Geiste wandeln wir.« ³b) Uebrigens scheint die Sache durch eine mündliche Besprechung mit dem Abt bald ihre Erledigung gefunden zu haben; Alfons wenigstens fügte sich allen püpstlichen Forderungen.)

Doch genug über die persönlichen Beziehungen, in denen Abt und Papst zu einander standen, wenden wir uns zur Betrachtung der Thätigkeit, welche derselbe in dem grossen Kampfe zwischen Königthum und Priesterthum entfaltete. Als Vermittler oder Friedensstifter, bald von dieser, bald von jener Seite gerufen, sehen wir ihn in den entscheidungsvollsten Augenblicken desselben auftreten, eine Rolle, zu der ihn das Vertrauen, das er in beiden Lagern genoss, vorzugsweise befähigte.

Nach seinem Siege über die Sachsen der grössten inneren Schwierigkeiten Herr, glaubte König Heinrich IV dem Papste offen die Stirn bieten zu können, und es kam zu dem schon lange drohenden Bruch. Gegen den gebannten König erhoben sich wieder alle Elemente, die er niedergetreten zu haben glaubte; was ein Interesse hatte, die königliche Macht geschwächt zu sehen, das ist fast die gesammte hohe Aristokratie des Reiches, was Anstoss nahm an dem un- kirchlichen Verfahren des Königs, sammelte sich unter dem päpstlichen Banner. Fest entschlossen, die Gunst der Umstände zu benutzen und den König abzusetzen, traten die deutschen Fürsten Mitte October 1076 zu Tribur zusammmen. Schon waren sieben Tage unter erfolglosen Ver- handlungen verstrichen, alle Anerbietungen, welche Heinrich machte, zurückgewiesen, schon rüsteten beide Parteien zum entscheidenden Kampf, da trat ein unerwarteter Wechsel der Stimmung im fürstlichen Lager ein. Obwohl sich die näheren Vorgänge selbstverständlich unserem wie schon der Zeitgenossen Blicke entziehen, scheint es doch nicht zweifelhaft zu sein qass. dieser plötzliche Umschwung dem Einfluss des Abtes von Cluny, welcher auf Veranlassung der Kaiserin Agnes zu Tribur erschienen war, zuzuschreiben sei. Allerdings waren die Be-

¹) Histor. Compost. I, 16 bei Florez Espana sagrada XX, 45. Ich glaube das hier Erzühlte am besten auf jene Zeit beziehen zu können. ²) Reg. VIII, 2.*) Reg. VIII, 3.*) Reg. VIII, 25. Musterschule 1879. 3