Aufsatz 
Hugo I. der Heilige, Abt von Cluny : 1. Teil
Entstehung
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16 Gottes auszeichnet und sich ihm darin schlechterdings kein anderes in jenen Gegenden gleich- stellen kann. Alle seine Aebte sind Heilige gewesen, keiner von ihnen oder ihren Mönchen hat sich jemals als entarteter Sohn der römischen Kirche gezeigt oder seine Knie vor Baal gebeugt.« ¹)

Doch hat es zwischen dem Papst und dem Abt auch an Missverständnissen und augen- blicklichen Verstimmungen nicht gefehlt, niemals indess haben sie das freundschaftliche Ver- hältniss beider Männer auf die Dauer zu stören vermocht. So hatte der Abt, entgegen dem aus- drücklichen Gebote des Papstes, Ende des Jahres 1078 den Herzog Hugo von Burgund in sein Kloster aufgenommen. Gregor empfand es schmerzlich, dass ein so tüchtiger Fürst der Welt entzogen sei, und tadelte das Verhalten des Abtes, der ihm durch Abkürzung des Noviciats sogar den Eintritt erleichtert hatte, bitter.»Durch die Aufnahme des Herzogs,« schreibt er an ihn, hast du bewirkt, dass Tausende von Christen des Beschützers entbehren. Wenn unsere Er- mahnung zu wenig bei dir galt und der Befehl des apostolischen Stuhles den gebührenden Ge- horsam nicht fand, mussten dich nicht die Klagen der Armen, die Thränen der Wittwen und Waisen, die Verwüstung der Kirchen, der Schmerz und Unwille der Priester und Mönche zurück- schrecken?« An gottesfürchtigen Mönchen, Priestern, auch Rittern sei kein Mangel, aber Fürsten der Art gebe es im ganzen Occident kaum einige. ²)

Ein stärkerer Misston drohte in Folge der spanischen Verhältnisse einzutreten. Spanien hatten die Cluniacenser schon seit langer Zeit als ihre eigentliche Domäne betrachtet, aus dem Süden Frankreichs waren sie mit Pilgern und Kreuzfahrern in dies Land gekommen und hatten sich bald Besitz und Einfluss zu verschaffen gewusst, bereits zu O dilo's Zeiten bestand ein reger Verkehr zwischen den Mönchen Cluny's und Spanien. ³) Ferdinand I von Castilien hatte sich als eifrigen Gönner Cluny's gezeigt und ihm mehrere Klöster übertragen. Unter seinem Sohne Alfons VI gestalteten sich diese Beziehungen noch inniger und fester, glaubte er doch seine Befreiung aus der Gefangenschaft seines Bruders den Gebeten Clunys verdanken zu müssen. Auf des Abtes Rath begann er trotz des Widerstrebens der Landesbischöfe mit der Ersetzung der mozarabischen Liturgie durch die römische Ernst zu machen. ¹) Ein Mönch aus Cluny, namens Robert, war eine Zeit lang die leitende Persönlichkeit am spanischen Hofe,»seinen Freund, den er vor allen Dingen hoch und werth halte,« nennt ihn der König. Bei diesem Verhältniss war daher Rom in allen spanischen Angelegenheiten ganz besonders auf die Unter- stützung Cluny's angewiesen und um so auffälliger ist es, dass es eine der ersten Regierungshand- lungen Gregors war, dem Cardinalpriester Hugo dem Weissen, einem zweideutigen Charakter, der mit Cluny in offener Feindschaft lebte und erst vor Kurzem in Rom von Cluniacensermönchen der Simonie angeklagt war, ⁵5) die Legation in Spanien zu übertragen.) Allerdings scheint dieser, wenn er überhaupt nach Spanien gekommen ist, dort nicht lange gewirkt zu haben;) trotzdem blieb zwischen den Cluniacensern und den römischen Legaten in Spanien eine gewisse Spannung, und als der Cardinalpriester Richard, später Abt von St. Victor in Marseille, im Jahre 1079 zum zweitenmale in Castilien erschien, fand er sowohl im Lande wie am Hofe eine entschieden ungünstige Aufnahme. Der Bischof von Compostella liess ihm auf seine Forderung, ihn in feierlicher Procession zu empfangen, erwidern, dass er den römischen Cardinälen gerade so viel

¹) Mabillon Annales Bened. V, 115. ²) Reg. VI, 17. ³) Vgl. Radulfus Glaber Hist. III, 3 u. IV, 7(Migne, Patrol. lat. CXXXXII, 651 u. 682) und Odilo's Brief an König Garcias bei Aguirre Coll. maxima concil. omnium Hisp. III, 188. ³) Vgl. sein Schreiben an Hugo(d'Achery III, 407)»de Romano officio, quod tua iussione accepi- musz... Auf dies Schreiben ist in dem Folgenden wiederholt Bezug genommen.) Bonitho I. c. 655. ³) Reg. I, 6. ³⁹) Reg. I, 16.