15 schaft der Päpste so viel zu verdanken hatte, seine Stellung auf Seiten des Papstthums an- weisen, und— Papst Paschalis bezeugt es selbst ¹)— unter allen Stürmen hat Cluny mit unerschütterter Treue dem päpstlichen Stuhl angehangen.
Mit Gregor selbst stand der Abt seit langer Zeit in vertraulichen Beziehungen, die sich gebildet hatten, da derselbe als Legat in Frankreich vielfach in Cluny verkehrte. ²) Von der Freundschaft, die zwischen beiden bestand, geben die Briefe des Papstes an den Abt den besten Beweis. Zu den schwierigsten Geschäften sucht er ihn heranzuziehen, die mannigfaltigsten Auf- träge ihm aufzubürden; bald sind es Legaten, die er seiner Unterstützung empfiehlt, ³) bald ver- folgte Mönche, denen er Hülfe schaffen soll. 4) Dann wieder klagt er ihn der Saumseligkeit gegen die Kirche an, weil er nach Rom zu kommen zögere, dessen Abwesenheit er»ohne grosse Sorge und Herzensbeängstigung« nicht länger ertragen könne; dann bittet er, ihn in das Gebet seiner Mönche einzuschliessen, ohne deren eifrige Fürsprache bei Gott er der Last der Geschäfte und Sorgen unterliegen müsse, ⁵) und bedauert, dass ihm die mangelnde Zeit einen regeren schriftlichen Verkehr mit dem untersage,»den er innig liebe.«⁰) Ein andermal am Vor- abend und im Vorgefühl des nahen Kampfes schüttet er vor ihm sein ganzes Herz aus, ein Freund dem Freunde. Sein feuriger Geist ist tief verstimmt durch die Erfolglosigkeit aller seiner Anstrengungen; seine Pläne in Bezug auf den Orient sind gescheitert, tiefer Schmerz und Bekümmerniss haben sich seiner bemächtigt. Wohin er auch blicke, nirgends sehe er, was ihm Freude gewähren könne, dort offener Abfall, hier Eigennutz und Lauheit. Aber aus der Muth- und Hoffnungslosigkeit, die ihn beschleichen will, rafft ihn das Bewusstsein der Pflicht, die ihm auferlegt ist, empor.»Wir müssen,« ruft er aus,»das Leben der Gläubigen schützen, da sich ja kein Fürst um solche Dinge kümmert. Mit brüderlicher Liebe ermahnen wir dich, dass du uns nach Kräften deine Unterstützung leihest; deine Sache ist es die Anhänger des hl. Petrus durch Ermahnungen und Bitten ohne Unterlass aufzufordern, dass sie, wenn sie seine wahren Söhne und Ritter sein wollen, die weltlichen Fürsten nicht lieber haben als ihn. Denn sonnen- klar will ich erkennen, welche in Wahrheit seine Getreuen sind und den Himmelsfürsten für himmlischen Ruhm nicht weniger lieben als die, denen sie sich in der Hoffnung auf elendes Erdengut unterwerfen.« ⁷).
Auch an thatsächlichen Beweisen seiner Zuneigung für Cluny hat es Gregor nicht fehlen lassen. Vom 9. December 1075(7) sind drei Bullen datirt, in denen er dem Abt Hugo,»dem theuersten Sohn der römischen Kirche,« alle Besitzungen seines Klosters bestätigt und neue, nicht unbedeutende hinzufügt. ³) Auf der Fastensynode des Jahres 1080 legte er, die Immunitäten Cluny's bestätigend, ein glänzendes Zeugniss für dies Kloster ab.»Unter den transalpinischen Klöstern,« so redete er die versammelten Väter an,»ragt Cluny hervor, dem Schutz des aposto- lischen Stuhles besonders empfohlen, unter frommen und heiligen Aebten hat es solche Würde erlangt, dass es sich vor allen übrigen, auch noch so alten Klöstern durch Eifer im Dienste
¹) Vgl. die Bulle bei Mansi, Concil. ampl. Collectio XX, 1038»inconcussa charitatis unitas, qua inter procellas omnes sedi apostolicae adhaesistise« ²) Hildebert:»Ex tunc ille(scil. Hild.) familiaritatem servi Christi devotius amplexatus est.« Während des Aufenthaltes Damiani's in Cluny i. J. 1063 war viel die Rede von Hildebrand, über dessen ablehnende Haltung trotz seines eigenen Entgegenkommens sich jener bei dem Abt beklagt; auf dessen Zeugniss beruft er sich nun in einem Briefe an Hildebrand(Opp. I, 70):»praeterea nomen tuum in quanta benedictione fuerit apud labia mea, saltem dominum Cluniac., qui tibi non est ignotus, inquire. Nam dum super te aliquando disputarem:»nescit ille, inquit, tantam tibi sui amoris inesse dulce- dinem quam profecto si nosset, incomparabili penes te amore flagraret.« ³⁴) Reg. I, 6. ⁴) Reg. I, 14. ⁵) Reg. I, 62. ¹) Reg. V, 21»quem multum diligo.«*) Reg. II, 49. ³⁸) Jaffé 3727— 29. Das Datum ist nicht sicher.


