Aufsatz 
Hugo I. der Heilige, Abt von Cluny : 1. Teil
Entstehung
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sollte der Abt selbst erleben. Auf der Rückreise gerieth er in die Gefangenschaft eines beute- gierigen Magnaten, der ihn und sein Gefolge gänzlich ausplünderte. Doch die milde und zugleich feste Persönlichkeit des Abtes, unterstützt von der Furcht vor der Rache des mächtigen Kaisers, wusste dem Räuber eine solche Achtung einzuflössen, dass er ihm nicht allein seine Habe zurück- erstattete, sondern sogar sicheres Geleit bis zur Landesgrenze gewährte.

Nach dem Tode Leo's IX, dessen Beziehungen zu dem Abte von Cluny, wie wir gesehen, sehr innige waren, führte der Kaiser den neuen Papst Victor II im Jahre 1055 persönlich über die Alpen. In Toscana gesellte sich ihnen der Abt von Cluny zu und erlangte von dem Papst in einer Urkunde vom 11. Jani eine neue Bestätigung der Besitzungen seines Klosters. 1)

Am 8. October 1056 starb Kaiser Heinrich III. Seine Wittwe theilte in einem Briefe voll banger Ahnungen dem Abt das traurige Ereigniss mit.»Meine Leier«, so lautet ihr Schreiben, ²)»ist zur Trauer gestimmt, und statt Freude und Wonne, die mir euer Brief bereitet hatte, vermag ich nur Seufzer und Wehklagen zu erwidern. Doch mein Herz, von Leide siech, bebt zurück, euch mein ganzes Unglück zu schildern, und das eilende Gerücht wird ohnehin die Schmerzenskunde zu euch getragen haben. Da ihr nun meinen Herrn und Gemahl nicht länger habt am Leben erhalten wollen, so bitte ich euch, wenigstens den Todten in eurem und eurer Brüderschaft Gebet der Gnade Gottes zu empfehlen, für seinen Erben aber, euren Sohn, vom Himmel eine lange und Gott wohlgefällige Regierung zu erflehen. Sollten überdies in den euch benachbarten Theilen seines Reiches Unruhen ausbrechen, so bietet euren Einfluss zu ihrer Be- seitigung auf.« Gewiss ein merkwürdiger Beweis der vertrauensvollen Stellung, welche sich zwischen dem Abt von Cluny und dem Hause dieses zweiten Saliers gebildet. Ihm und seiner Gemahlin widmete man daselbst noch lange ein dankbares Andenken, mit feierlichem Glocken- geläute, Todtenmessen und der Speisung von Armen beging man den Jahrestag ihres Todes. ³)

Der gewaltige Umschwung, der mit Heinrich's III und Victor's II Tod in dem Ver- hältniss zwischen Kaiserthum und Papstthum eintrat, konnte auch auf die Stellung Cluny's zu dem deutschen Hofe nicht ohne Einfluss bleiben. Während in Deutschlaud ein schwaches und unsicheres Regiment einriss, fasste in Rom eine feste und ihrer Ziele sich klar bewusste Hand das Steuer des Schiffleins Petri. Selbständigkeit der Kirche, zunächst Vernichtung des deutschen Einflusses in Rom wurde die Losung. Ohne nach dem Willen des deutschen Hofes zu fragen, wurde Stephan X auf den päpstlichen Stuhl erhoben und von ihm Hildebrand auf der Ostersynode d. J. 1058 als Papstmacher proclamirt. ¹) Auch der Abt von Cluny wohnte diesem Concil bei,) bereits längere Zeit weilte er in der Umgebung des Papstes, am 6. März hatte er ein Privileg erwirkt, das mit prunkenden Worten die Verdienste seines Klosters hervor- hebt,»welches seit seiner Gründung weithin den hellstrahlenden Glanz kirchlichen Wandels verbreite, so dass es durch sein Beispiel und seine Lehre fast allen Klöstern lateinischer Zunge ein Vorbild und Spiegel der Heiligkeit gewesen sei und noch sei.« e) Nach jenem Concil trat der Papst in Begleitung des Abtes den Weg nach Tuscien an, um mit seinem Bruder, dem Herzog Gotfried, wichtige Unterhandlungen einzuleiten; zu Florenz jedoch warf ihn ein heftiges Fieber aufs Krankenlager, von dem er nicht mehr aufstehen sollte. Am 29. März verschied er in den Armen des Abtes, welcher ihm die letzten Stunden, in denen er sich von Dämonen umgeben wähnte, erleichterte.*)

*) Jaffé 3291. ²) d'Achery, Spic. III, 443. Daraus Abdruck bei Giesebrecht II, Doc. Nr. 13 und Uebersetzung p. 522, der ich mich theilweise angeschlossen. ³) d'Achery III, 408.) Jaffé, p. 383.) Jaffé 3325. *) Jaffé 3323.*) Vgl. die Biographen, am ausführlichsten hierüber ist Ezelo(Anonymus II), nächst ihm Rainald.