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seinen persönlichen Besuch seine Ehrfurcht bewiesen und daselbst das Symbol der Weltherrschaft, das ihm Papst Benedict VIII verehrt, niedergélegt haben. Mittlerweile war Burgund selbst an das deutsche Reich gekommen. Heinrich III hatte sich mit einer französischen Fürstentochter vermählt, deren Ahnen Cluny gestiftet, deren nächste Verwandten in engen Beziehungen zu diesem Kloster stehen. Abgesehen von der persönlichen Frömmigkeit Heinrich's, musste er nicht schon durch diese Familienbande wesentlich beeinflusst werden? Wir sehen denn auch wirklich mit einer beinahe auffallenden Absichtlichkeit sich diesen Salier um die Freundschaft des Abtes von Cluny bewerben. Mögen dabei immerhin politische Berechnungen im Spiele gewesen sein, zum grössten Theil werden wir doch den Grund davon in der unserem Zeitalter kaum begreif- baren Verehrung sehen müssen, welche man damals dem Mönchthum überhaupt und in gan⸗ besonderem Maasse dem Hauptvertreter desselben, dem Kloster Cluny, entgegenbrachte.»Seinen Bruder und Getreuen« nennt der Kaiser wiederholt den Abt in einer Urkunde vom 4. December 1049. ¹) Auf der Rückkehr von Reims war Hugo zu Speier mit ihm und der Kaiserin Agnes zusammen- getroffen, und letztere war es, welche ihren Gemahl um die Bestätigung der Besitzungen Cluny's, soweit sie im Reichsgebiet lagen, anging. Iu der erwühnten Urkunde beruft sich der Kaiser auf»die alte Freundschaft und Liebe«, welche zwischen den deutschen Kaisern und den Aebten von Cluny seit lange bestanden, die ihre Gebete zum Himmel geschickt»für den Bestand des Reiches und das Seelenheil seiner Beherrscher«, und verlangt für sich die nämliche Fürbitte. Doch nicht bei diesen wenn auch noch so warmen Worten liess er es bewenden, sondern»an der Liebe Cluny's wie an einem ererbten Recht mit Innigkeit festhaltend, beschloss er, mit seinem Abt in eine engere Verbindung zu treten.«²) Als ihm am 11. November 1050 der lang ersehnte Erbe geboren war, beeilte er sich, den Abt von dem freudigen Ereigniss in Kenntniss zu setzen und zu einem persönlichen Besuch einzuladen. Dieser bezeigte zwar seine Theilnahme, suchte sich jedoch der Beschwerlichkeit einer so weiten Reise zu entziehen. Da lad ihn der Kaiser zum zweitenmal dringender ein und fügte diesmal der Einladung zugleich die Bitte hinzu, bei dem Kinde Pathenstelle zu übernehmen. ³)»Mit einem unauflöslichen Band der Liebe« will er ihn dadurch an sein Haus fesseln, als ob er die Stürme, die dem Knaben drohten, geahnt hätte. Des Kaisers Wunsch wurde erfüllt. Wie bestimmt war, erschien der Abt zu Ostern des Jahres 1051 in Cöln und hob am ersten Ostertag— er fiel in diesem Jahr auf den 31. März— den jungen Heinrich aus der Taufe. Nachdem er darauf am kaiserlichen Hofe das Osterfest gefeiert, kehrte er reich beschenkt zu seinem Kloster zurück.
Nicht lange darauf finden wir den Abt abermals im Dienste des Kaisers thätig. Es war wohl anfangs des Jahres 1052, die Ungarn hatten im verflossenen Jahre die Angriffe des deutschen Heeres siegreich zurückgewiesen, da suchte auf den Wunsch des Kaisers Papst Leo zwischen den streitenden Parteien zu vermitteln. In seinem Auftrag ging eine Gesandtschaft, bestehend aus dem Abt Hugo und einem Bischof, namens Richard, einem früheren Cluniacenser- mönch, an den Ungarnkönig Andreas. 4) Indess gelang es auch dieser Gesandtschaft nicht, einen Ausgleich herbeizuführen, und die Ungarn wussten allen weiteren Angriffen des Kaisers gegen- über ihre Unabhängigkeit zu behaupten. Wie wenig gefahrlos übrigens derartige Dienste waren,
¹) Stumpf, Reichskanzler 2378. ²) Gilo l. c. 655. ³) d'Achery Spic. III, 443, daraus Abdruck bei Giese- brecht, Geschichte der deutschen Kaiserzeit II, Documente Nr. 12. ⁴) Ausser Hildebert berichtet auch über diese Gesandtschaft der Mönch Jotsald in seiner Vit. s. Odilonis(Mab. Act. SS. VI, 1, 699).»Cum in Pannonia simul cum domno abbate Hugone essem, quadam die cum venerabili viro Richardo episcopo, patris Odilonis nutrito et monacho, coepi de virtutibus eiusdem patris conlocutionem habere« etc. Wenn Hildebert von einem Erfolg dieser Gesandt- schaft zu erzählen weiss, so ist das in Anbetracht der folgenden Ereignisse weiter nichts als Ruhmredigkeit.


