Aufsatz 
Hugo I. der Heilige, Abt von Cluny : 1. Teil
Entstehung
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sischen Partei in diesen Gegenden. Aus dieser Ehe wurde im Jahr 1024 ein Sohn geboren, welcher zu Ehren seines Grossoheims den Namen Hugo erhielt. Es war ein kriegerisches Ge- schlecht, dem er entsprossen, sein Vater und einer seiner Brüder fanden den Tod im Kampf- gewühl, und zwar ersterer von der Hand seines eigenen Schwiegersohnes, des Herzogs Robert I. von Burgund. Auch der junge Hugo wurde für das Kriegshandwerk bestimmt, sollte er doch als der älteste der Brüder Namen und Ansehen der Familie fortpflanzen. Frühzeitig musste er sich im Gebrauch der Waffen üben,»mit den Altersgenossen reiten, das Pferd im Kreise wenden, die Lanze schwingen, den Stoss des Gegners mit dem Schilde auffangen, auf Raub und Beute ausziehen.« Aber der Knabe zeigte für den ritterlichen Beruf wenig Neigung, zarten Körper- baues und weicher Gemüthsart, wie er war, fand er weder Gefallen an den wilden Spielen noch an der rohen Lebensweise seiner Genossen. Gern schloss er sich von ihrer Gesellschaft aus, und noch ein Kind, erschien er in Wort und Geberde ernsthaft wie ein Greis. Und die ersten Eindrücke seiner Kindheit mussten eine derartige Gemüthsrichtung noch steigern, eine grässliche Hungersnoth forderte Jahre hindurch Tausende von Opfern, eine Zeit,»wo die Blässe des Elends auch die Wangen der Reichen entfärbte und der Raub der Mächtigen sein Eude fand an der allgemeinen Noth.« ¹) Dem Hange des Knaben kam der Wunsch der Mutter entgegen, die ihren Sohn dem Dienst der Kirche zu weihen wünschte. Dem beiderseitigen Verlangen gab der Vater endlich nach, durch seine einflussreiche Verwandtschaft qurfte er hoffen, den Sohn dereinst einen Bischofs- stuhl einnehmen zu sehen. So wurde dann der Knabe der Schule zu Chalon übergeben, um sich hier unter der Obhut seines Grossoheims für den geistlichen Stand vorzubereiten. Dort reifte in ihm der Entschluss heran, der Welt zu entsagen und sich in die Stille des Kloster- lebens zurückzuziehen, und nach dem Tode seines Grossoheims er starb am 4. November 1039 schien der Ausführung dieses Vorsatzes nichts mehr im Wege zu stehen. Alte Verbindungen seines Hauses, das hohe Ansehen des Abtes Odilo, der Ruf des Klosters wiesen ihn auf Cluny hin, bereitwillig wurde er, der erst fünfzehnjährige Knabe, aufgenommen. Aus eigenem Drang des Herzens, ohne Zwang, ja sogar wieder Willen und Wissen seines Vaters Mönch geworden, gab er sich mit voller Seele seinem neuen Stand hin,»Gehorsam- und»Demuth«, nach Hildebert die beiden Cardinaltugenden des Mönches, drückten sich in seinem ganzen Wesen aus; allen Ver- pflichtungen, die ihm die Strenge der Regel auferlegte, kam er mit dem grössten Eifer nach; ganze Nächte sah man ihn unter Schluchzen im Gebet liegen, unersättlich war er die Schrift zu durchforschen, dabei hüllte er sich in tiefes Schweigen, er redete nur mit dem Herrn oder über den Herrn. Diese Hingabe zog bald die besondere Aufmerksamkeit und Neigung seines Abtes auf ihn. Odilo war hoch betagt, zudem in seinen letzten Jahren häufig kränklich, er musste die Sorge für die Zucht und die äussere Wohlfahrt des Klosters einer jüngeren und kräftigeren Hand überlassen. Es zeugt von dem hohen Ansehen, das sich Hugo bereits erworben, dass Odilo ihn, der das zwanzigste Jahr kaum überschritten, mit seiner Stellvertretung betraute. Und der junge Prior wusste sein Amt so zu verwalten, dass er sich trotz der strengsten Zucht, die er übte, die Liebe und Achtung aller Brüder erwarb. Schon jetzt mochte es niemandem zweifelhaft sein, dass er nach Odilo's bald vorauszusehendem Tode für die Würde des Abtes der geeignetste wäre.

Dieser Gotfried, dessen auch Hildebert und Hugo in ihren Biographien gedenken, war also ein Oheim des

Abtes und aus dem Geschlechte de Vergy, sicherlich identisch mit dem in jener Urkunde genannten Gotfried;

seine Brüder scheinen, ausser Theobald, der die Grafschaft Chalon erbte und 1064 starb, frühzeitig gestorben

zu sein. Es dürfte also sicher sein, dass Aremburg, die Mutter unseres Hugo, aus dem Geschlechte de Vergy war. ¹) Radulf. Glab. Hist. IV, 4(Migne, Patrol. lat. CXXXXII, 676).