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Von dem gewiss ausgedehnten Briefwechsel Hugo's hat sich nur weniges und dazu meist von geringer Bedeutung erbalten; dagegen ist eine, wenn auch nur geringe Anzahl Briefe, die von hervorragenden Persönlichkeiten an ihn gerichtet sind, der Vernichtung entgangen; sie namentlich werfen ein helles Licht auf das Ansehen, dessen sich dieser Abt bei seinen Zeit- genossen erfreute.
Was sich sonst an Nachrichten über die Wirksamkeit desselben bei zeitgenössischen Ge- schichtschreibern findet, und es ist im Ganzen nicht viel, ist am gehörigen Orte berücksichtigt.
Von neueren Bearbeitungen, die ich benutzt habe, erwähne ich ausser Gfroerer's und Giesebrecht's bekannten Werken noch Lehmann»Forschungen zur Geschichte des Abtes Hugo I von Cluny, Göttingen 1869,« eine Zusammenstellung der Nachrichten über das Leben Hugo's bis zum Jahre 1072. Lehmann's Ansichten über das Verhältniss der Biographen zu einander finden ihre Würdigung und, wie ich hoffe, auch Widerlegung in dem folgenden Excurs.
Von grossem Nutzen ist mir ferner Pignot's fleissige, wenn auch im Einzelnen oft unsorgfältige und nicht fehlerfreie»Histoire de l'ordre de Cluny depuis de la fondation de l'abbaye jusqu'à la mort de Pierre-le-Vénérable(909— 1157), Autun et Paris 1868 gewesen.
Auch Cucherat,»Cluny en XIme siècle, Paris et Lyon 1852 liefert, namentlich über Marcigny, einige gute Nachrichten.
II.:
Hugo's Abkunft und Mönchsleben.
Unter dem burgundischen Adel war das Geschlecht der Herren von Semur eines der ältesten und angesehensten. Schon frühe begegnen sie uns in Urkunden des Bisthums Autun, ¹) in welchem, längs der Ufer der Loire hin, ihre Besitzungen lagen. Der Einfluss und die Be- deutung des Geschlechtes stiegen noch durch die Verbindung, welche Dalmatius von Semur mit Aremburg von Vergy schloss; sie war die Nichte eines der mächtigsten Männer in Burgund, des Bischofs Hugo von Auxerre, ²) der zugleich Graf von Chälon war, die Hauptstütze der franzö-
²) In Urkunden des Bischofs Walther(Duchesne, Histoire généalogique de la maison de Vergy, Preuves 44 u. 47) wird ein Arlebaldus Sinemurensis erwähnt; in einer andern Urkunde(Gall. christ. IV instr. 75) unterschreibt ein Arlebaldus comes, wahrscheinlich identisch mit jenem Arlebald von Semur. So würden sich auch die Ausdrücke der Biographen, die Hugo's Vater einen»vir consularis« d. h. gräflichen Geschlechts nennen, erklären. ³²) Hildebert nennt den Abt Hugo einen„»pronepos« des Bischofs Hugo, dessen Schwester Mathilde an Gotfried von Vergy und nicht, wie die meisten neuern annehmen, an Gotfried von Semur verheirathet war. Letztere Ansicht stützt sich allein auf Du Bouchet, welcher in seiner Histoire généalogique de la maison royale de Courtenay 43 angeblich aus dem Cartulair von Cluny zwei Urkunden anführt, in denen Gotfried und seine Gemahlin Mathilde nebst ihren Söhnen Dalmatius, Gotfried, Herveus, Odo, Theobald und Lambert eine Schenkung machen. Mabillon Act. SS. VI, 1, 643 bringt dieselbe Urkunde im Auszug, aber es fehlt der Name des Dalmatius. Bei der Zuverlässigkeit Mabillon's dürfte es kaum zweifelhaft sein, dass Du Bouchet, wie alle Genealogen höchst unzuver- lässig, den Namen des Dalmatius willkürlich hinzugesetzt hat. Die Grafen Odo und Theobald finden sich häufig in Urkunden und setzen ihrem Namen stets ein»nepos Hugonis ep.« bei, Dalmatius nur einmal (Duchesne, Hist. généal. de la maison de Vergy, Preuv. 66) und zwar nur als»miles« ohne weitere Bezeichnung. Nun findet sich in der Hist. ms. maiorum priorum Clun. des Guil. Buirin, archiclavi Clun.(Gall. christ. IV, 87) folgende Stelle: Godefridus de Vergy moritur Cluniaci a. 1069, relicto archiepiscopatu Lugdunensi monachus, et sepelitur prope altare communionis sub utraque specie, illue translatus per Hugonem Magnum, ejus nepotem.


