Aufsatz 
Hugo I. der Heilige, Abt von Cluny : 1. Teil
Entstehung
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vorzugsweise beherrschen. Für die Denkweise ihrer Zeit nicht unwichtige Documente, oft über- raschende Schlaglichter auf die socialen Zustände, namentlich der unteren Bevölkerungsschichten werfend und hierfür ein umfangreiches, noch lange nicht genug gewürdigtes Material bietend, sind doch diese Hagiographen für die Kenntniss der grossen Vorgänge, die sich in ihrer Zeit abspielen, fast werthlos, nur selten fällt davon ein matter Strahl in das Stillleben der klöster- lichen Zelle.

Der erste, welcher mit einer Lebensbeschreibung des Abtes Hugo auftrat, war der Mönch Ezelo. Er hatte sein Canonicat in Lüttich verlassen und war noch zu Lebzeiten Hugo's, etwa um das Jahr 1090, in Cluny eingetreten. Er wird gerühmt als ein Mann von grosser Gelehrsamkeit und ausgezeichneten Kenntnissen im Bauwesen, durch die er sich um den Bau der unter Hugo begonnenen Hauptkirche von Cluny grosse Verdienste erwarb. ¹) Seine Schrift bildete den Grundstock für die sämmtlichen übrigen Biographen, leider scheint sie bis auf wenige Bruchstücke verloren zu sein.

Indess setzte man in Cluny von jeher einen gewissen Stolz darein, das Leben seiner Aebte in verschiedenen Darstellungen verherrlicht zu sehen, und besonders Abt Pontius liess es sich angelegen sein, seines Vorgängers Thaten und Wirken durch die litterarischen Coryphäen seiner Zeit der Nachwelt zu überliefern. Auf seine Aufforderung verfasste Gilo(Aegidius) eine zweite Lebensbeschreibung des Abtes Hugo. Geboren in Toucy bei Auxerre, hatte er, vorher Cleriker in Paris, um das Jahr 1119 in Cluny das Mönchsgewand angezogen. ²) Von hier nahm ihn Papst Calixt II bereits im folgenden Jahre mit sich nach Rom und erhob ihn nicht lange nachher zum Cardinalbischof von Tusculum. Er war ein hochgebildeter Mann und auf jedem Blatte seiner Schriften verräth sich, dass er die Schule zu Paris genossen. Schon hatte er einen bedeutenden Ruf denn noch in Paris hatte er eine metrische Geschichte des ersten Kreuzzugs in 6 Büchern verfasst ³) als er, dem Kloster bereits entzogen, zu Rom das Leben des Abtes Hugo schrieb. 4) Da er über denselben aus persönlicher Anschauung nicht genügend unterrichtet sein konnte, so legte er seinem Werke vornehmlich die Schrift Ezelo's zu Grunde. Wie er diesen Stoff neu verarbeiten solle, dafür gab ihm Pontius selbst den Plan in die Hand.) Die Legende über den neuen Heiligen stand bereits fest, und nichts weiter als die Einkleidung blieb ihm überlassen, und dieser Aufgabe entledigte er sich, soweit sich nach den gedruckten Bruchstücken urtheilen lässt, in sehr geschickter Weise. Seine Darstellung ist glatt, der Stil gewandt, wenn auch überladen und oft schwülstig, ein Fehler, welcher mehr der Zeit, wie der Person anhaftet. Wohl bewandert in den lateinischen Dichtern liebt er es Anklänge an die- selben, ja zuweilen ganze Verse in seine Darstellung einzuflechten.)

¹) Petri Venerab. epp. III, 2.(Bibliotheca Cluniac. 794). Schon Duchesne(notae ad Bibl. Clun. 83) hält den hier genannten Hezelo für identisch mit dem Biographen Hugo's, und ich wüsste nichts, was dieser Annahme entgegenstände. Im Uebrigen vgl. den Excurs. ²) Vgl. Histoire littéraire de la France XII, 81 seq. ³) Martene et Durand, Thesaurus nov. Anecdot. III, 213 266. Am Schluss heisst es: Haec ego composui, Gilo nomine, Parisiensis] Incola, Tuciaci non inficiandus alumnus. Die Zeit der Abfassung ergibt sich aus lib. III I. c. 232, wo noch der Tod Balduins I( 1118) erwähnt wird.) Vgl. sein Einleitungsschreiben an Abt Pontius Martene I. c. I, 321: Dignum profecto fuit, ut vita illius Romae particulatim scriberetur...)»Congruum rebus ordinem praefixistis« sagt er l. c.) In dem erwähnten Schreiben findet sich aus Ovid. Trist. I, 5, 53 57:»Si vox infragilis... Darauf aus einem mir unbekaunten Dichter:»Invida me spatio natura cohercuit arto] Ingenio vires exiguasque dedit.« Ferner:»Utque trahunt oculos radiantia lumina solis.« In der von Papebroch Act. SS. April. III, 655 658 herausgegebenen»Epitome«, die, wie im Excurs bewiesen, wirklich aus Gilo herrührt: miser suae prodigus animae(Horat. car. I, 12, 37.) Aus Virg. Aen. VI, 853:parcere subiectis et castigare(l) superbos.«