Hugo I der Heilige, Abt von Cluny. Erster Theil.
Von
Dr. Rudolf Neumann.
J.
Die Biographen des hl. Hugo. Sonstige Quellen und Bearbeitungen.
In die Kämpfe, welche sich in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts um die Reform der Kirche und ihre Unabhängigkeit von der weltlichen Macht erhoben,„ist der Name des Abtes Hugol von Cluny in hervorragender Weise verflochten. Nicht allein auf dem Hauptschau- platz, unmittelbar zwischen Kaiser und Papst, hat er thätig eingegriffen, tiefer einschneidend und anhaltender war seine Wirksamkeit in dem geräuschloseren, darum aber nicht minder heftigen Kampfe, den Rom gegen die Geistlichkeit Frankreichs führte.
Man darf erwarten, dass ein Mann, den Persönlichkeit und Stellung in den Vordergrund der Ereignisse drängten, auch bei den zeitgenössischen Geschichtschreibern die gebührende Würdigung gefunden habe. Und allerdings, an Federn, die sich das Leben unseres Abtes zum Vorwurf nahmen, hat es nicht gefehlt. Aber aus klösterlichen oder doch ihnen nahestehenden Kreisen hervorgegangen und für deren Bedürfniss geschrieben, ist es der enge Gesichtskreis des Klosterbruders, der in ihren Werken fast ausschliesslich in Betracht kommt. Als eine Zierde des Mönchthums, ein Vorbild heiligen Wandels, einen Ruhm des eigenen Klosters ihren Gegen- stand hinzustellen, darauf allein ist ihr Bestreben gerichtet. Die Geltung bei den Mächtigen der Erde, die Sorge für die materiellen Iuteressen des Klosters, die Zucht der untergebenen Brüder, dann die eigentlich mönchischen und christlichen Tugenden der Demuth, der Ertödtung des Fleisches, der Nächstenliebe und die dadurch erworbenen Verdienste vor Gott, die sich durch Wunder mannigfaltiger Art bethätigen,— das sind die Gesichtspunkte, welche die Biographen


