Liebfrauenplatz. 69
dem Portal steht, zum Teile von dem Mittelfenster des Erkers umrahmt, die ursprünglich bemalte Figur des römischen Kaisers mit Plattenharnisch, Szepter, Hermelin und Krone(vergl. Grebenstrasse Nr. 26, Zum römischen König). Zu Füssen der Figur liegen ein Türkenkopf und einige Kanonenkugeln.(Sollte sich diese Beigabe auf einen der Türkenkriege Kaiser Karls VI. [1711—40] beziehen? Es wäre damit auch ein Hinweis für die Datierung der Figur gegeben.)*) Am Sockel der Figur in einer Kartusche die Inschrift: A L'EMPEREUR ROMAIN. An der Rückseite des Hauses laufen von einfachen Konsolen getragene Galerien mit Schmiedeeisen-Gitter. Der Flügelbau wird auch nach rückwärts von einem zweistöckigen Renaissance-Giebel † abgeschlossen, der aber vom Hofe aus kaum sichtbar ist. Dieser Giebel ist jetzt eingemauert. In seiner Mitte befindet sich eine grosse, jetzt zugemauerte Türöffnung, über der ein starker Krag- stein, der die Rolle eines Aufzugs trug, aus der Mauer hervor- ragt. In seiner Umrahmung zeigt dieser Giebel Verwandtschaft mit denen am bischöflichen Hause†(1666), das von Mainzer Bauten dem römischen Kaiser zeitlich am nächsten steht.— An der Rückwand des Mittelbaues zeigen die Verankerungen der Balkendurchzüge die Zahl(12) 64(die erste Ziffer ist frag- lich, daher 164 oder 1664 möglich). Ins Innere führt die in der Kunstgeschichte(s. Lübke. Renaiss. in Deutschland u. a.) bekannte, flachgewölbte Torfahrt† mit ihrer wuchtigen Stuck- decke †. An den durch die Stukkatur kaum zur Geltung kommen- den schweren Gurten des Korbbogengewölbes sitzen auf Kon- solen, zum Teil rittlings(daher nur ein Bein sichtbar), nackte, humorvoll aufgefasste Putten, welche die Rosetten an den Schluss- steinen tragen. Die Felder der Kappen werden in geschickter Raum- ausnützung ausgefüllt durch paarweise angebrachte Reiher und andere Vögel mit oft merkwürdig verknoteten Hälsen; ihre Schwänze laufen in schwere Akanthusvoluten aus. In den von schweren Barockrahmen eingefassten Spiegelfeldern der Decke be- fanden sich ursprünglich Freskomalereien, von denen nur noch eine erhalten ist, die andern sind übertüncht. Die Stukkatur der Torfahrt stammt aus der Erbauungszeit des Hauses, Mitte des 17. Jahrh.
UÜber dem Eingange werden im Innern von einer Putte zwei Wappenschilde gehalten(rechts Eichhorn, links zwei ge- kreuzte Pfeile, Helmzier mit Flügen). Dasselbe Wappen kommt auch im Hofe Markt 37, König von England, vor(das Rokochs und seiner Frau?) Das Wappen ist sonst in Mainz noch nicht nachgewiesen). Eben dieselben Wappen auch an der Wange(Stuck) und in dem schmiedeeisernen Geländer der von der Torfahrt nach den oberen Stockwerken führenden, von schweren
*) Vielleicht stammt die Figur aus der Zeit, in der der römische Kaiser in ein Wirtshaus umgewandelt wurde.


