Liebfrauenplatz. 67
1.„Zum Schwarzwald, kleinen Lateran(und Markt Nr. 39) zum Stolzenfels.“— Schaab I, 566(„dem Turm der ehemaligen Liebfrauenkirche gegenüber“), vgl. auch ebendaselbst S. 575(Stol- zenfels). Im Erdgeschoss Laubenarchitektur †, die, wie die an den Ecken auf den Pfeilern angebrachten Embleme(Merkurstab, Zigarren, Rollenkanaster, Tabakblätter u. a.) zeigen, als Verkaufs- läden dienten. Als Schlussteine über den Bogen Rokokokar- tuschen, an den Hausecken in Kartuschen eine Hausmarke mit. den Buchstaben I. K., s. Tfl. XXI. 2. Hälfte des 18. Jahrh. Der übrige Teil der Fassade gereicht dem Platze durch seine auf- dringlichen Reklameschilder nicht gerade zur Zierde.
4. Der Dom(kirchen).
3 u. 5.„Zum grossen und kleinen Löwen, Stern, Marienberg, fröhlichen Mann, römischen Kaiser.“— Schaab I, 574. Für die Geschichte der Architektur, sowohl der Mainzer selbst als auch der Deutschlands, ist dieser noch heute unter dem Namen „Zum römischen Kaiser?†“ allgemein bekannte Bau ein wichtiges Denkmal. Wenige Jahre nach dem Ende des 30 jährigen Krieges ist er entstanden. Soweit wir bis jetzt die Mainzer Baugeschichte übersehen können, ist er das erste beachtenswerte monumentale Bauwerk, das in dem verarmten Mainz nach den Verwüstungen des 30 jährigen Krieges aufgeführt wurde. Vielleicht verdankt er indirekt seine Entstehung dem Kurfürsten Joh. Philipp von Schönborn, der mit allen Mitteln die Bautätigkeit in seiner Residenzstadt zu fördern suchte(vergl. seine Erlasse in den kurfürstlichen Verordnungen). Sein Erbauer war der reiche Rentmeister Emund Rokoch(vergl. Steuerkataster“*). Bis zum Ausgange des Mainzer Kurstaates begegnen uns in Mainz Glieder dieser Familie in angesehenen weltlichen und geistlichen Stellungen. Eine Zusammenstellung und Verarbeitung des im Mainzer Archiv noch über die Rokoch vorhandenen Materials, das auch über die Baugeschichte des Hauses vielleicht noch manchen Aufschluss bringen könnte, wäre recht zu wünschen. In engem Zusammen- hange wit dem römischen Kaiser steht der Hof zum König von England(Markt 37). Er ist ebenfalls und gleichzeitig mit ihm von Rokoch erbaut worden(s. u. Markt 37). In seinen Formen lehnen sich diese Bauten an die Traditionen der Spätrenaissance, zeigen aber schon eine starke Durchsetzung mit Elementen des Barocks(vergl. im Hofe zum König von England die wuchtigen Fruchtschnüre und die Grotesken, sowie die seitlichen Portale am römischen Kaiser; wenn diese nicht spätere Anbauten sind). Freilich ein Wiederaufnehmen einheimischer Mainzer
*) Rokoch begegnet uns auch als Mieter des obengenannten Hauses
zum Stolzenfels, das unmittelbar an den römischen Kaiser anstiess. Schrohe, Reichklarakloster S. 46, Anm. 350. 5*


