Korbgasse. 61
teilten ovalen Herzschild: rechts ein schreitender Vogel(Gans, Kranich?), links Kopf und Hals eines Vogels(Adler, Greif?) mit einem Ring im Schnabel; als Helmzier: rechts dieselbe Figur wie im Herzschild, links zwei Hörner. Dieselben Wappen am Sockel des gotischen Muttergottesbildes an der Aussenseite.
5. An der Hausecke gotische Madonna†(dreiviertel Lebensgrösse). Anfang des 15. Jahrh. Die ganze Figur etwas gedrungen; mit grossem Kopf, aber anmutigem Gesichtsausdrucke, auf dem Haupte hat sie eine aus Rankenwerk gebildete hohe Krone, in der rechten Hand hält sie einen von Rankenwerk umrahmten Kruzifixus, auf dem linken Arm trägt sie das auf eine Schriftrolle schreibende Christuskind. Das Gewand fällt in straffen, schweren Längsfalten. Auffallende Ahnlichkeit zeigt die Figur mit der aus dem Carmelitenkloster stammenden(jetzt in der Steinhalle des Museums aufgestellt).
6. 8. 10.„Zum grossen und kleinen Molsberg, krummen Ring, Stall.“(Kinderliebe, Geschwisterliebe, Liebespaar.)
6. Nach dem Korbgässchen zu an der Ecke auf gotischem Kragsteine ruhender UÜberhang(Fachwerkbau?).
8. Schaab I, 535(zum Molsberg) u. I, 215. Gudenus II, 536, bemerkt„Zum krummen Ring uff dem Markt 1446“. Wohl ein Zitat aus einer alten Urkunde. Das alte Patrizier- haus wird sich also von der Korbgasse bis zum Markt erstreckt haben(vergl. Boderam). Am unteren Stockwerk über der Haus- türe gotisches Hochrelief, darstellend den nackten Oberkörper eines Jünglings und einer Jungfrau, die dicht aneinander ge- schmiegt sich mit dem einen Arm umschlingen, mit dem anderen an eine(Fenster?) Brüstung lehnen. Auf der Hofseite an der Treppe ist das gleiche Relief eingemauert; das an der Strassen- seite befindliche Relief ist erst im vorigen Jahrhundert dorthin versetzt worden, ursprünglich war es ebenfalls auf der Hofseite eingemauert. Vielleicht befanden sich beide Gruppen ursprüng- lich im Tympanon von gotischen Fenstern*).
Am Hintergebäude liegt nach dem Hofe zu eine spätgotische Fensterreihe und im Innern die Reste eines alten Familiensaals „Rittersaals“(Schaab a. a. O.), der jetzt durch Einbauten in verschiedene Räume geteilt ist. Ein Teil davon gehört jetzt zum Hause Markt Nr. 9. In den Fensternischen befinden sich oben an den Gewänden und Fensterstöcken 8 wohlerhaltene, bemalte
*) Der Volksmund deutet die Gruppe als zwei Kinder(Geschwister), die bei einem Brande sich gegenseitig umschlingend aus dem Fenster sprangen; so entstand auch der heutige Name des Hauses„zur Kinderliebe, zur Geschwisterliebe.“


