Aufsatz 
Verzeichnis der Kunstdenkmäler der Stadt Mainz : 1. Teil. Privatbesitz
Entstehung
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Betzelsgasse. 17

Betzelsgasse.

UÜber den Namen der Strasse siehe Schaab I, 391. F(alk) Mzr. Journ. 1879 Nr. 9.

1.Zum Landeck, Solmser Hof, späterZum Kuckuck. (Schaab I, 517, Mzr. Journ. 16. Okt. 1901.) Im April 1903 wurde das ursprüngliche Fachwerk des obersten Stockwerks †³ wieder freigelegt. Es bietet in seinen Formen, die z. Teil noch gotische Reminiszenzen zeigen, eine reiche Mannigfaltigkeit. Unter dem bis jetzt in der Stadt freigelegten Fachwerk ist es das reichste. Entstehungszeit um 1600. Die beiden unteren Stock- werke in Stein aufgeführt. Im Erdgeschoss Laubenarchitektur mit Rokokokartuschen in den Bogenmitten. 2. Hälfte des 18. Jahrh. Auf dem Giebel eine Wetterfahne mit kunstvoller Schmiedearbeit. An der Hausecke schönes Standbild der Jungfrau Maria f, auf Schlange und Halbmond stehend, unter einem mit Rokokoornament reich verzierten Baldachin; eben- solches(Ranken- und Muschelwerk) am Sockel. Die Figur selbst in äusserst eleganter Haltung. Sehr lebhafte Behandlung der Gewandung, die auch die durchscheinenden Körperformen zur Wirkung kommen lässt. Schleiertuch und Schlange ursprünglich vergoldet. Die linke Hand hielt ehemals eine Lilie; um 1750, vergl. zu Acker 12 Abbild. Tfl. XIV.

Bei Gudenus II, 552 heisst es über das Haus:a. D. D. comitibus vendita(1590) Philippo Sch a d, Moguntinae urbis Aedituo, reasumpsit nomen suum pristinum Zum Landechk, hiernach schreibt Schaab(a. O.):im Jahre 1590 verkauften ihn die Grafen von Solms an den Stadtbau- meister Philipp Schaad, und er(sc. d. Hof) nahm nun seinen ehemaligen Namen zum Landeck wieder an. Auf eine Anfrage beim kgl. Kreisarchiv Würzburg betreffs eines Stadtbaumeisters Ph. Schaad wurde von dort mitgeteilt:Der einzige Philipp Schad(Schade), welcher im ersten Band der sog. Mainzer libri communes festgestellt wurde, war Z0ll- schreiber zu Ehrenfels. Auffallend sind nun allerdings dessen Bezieh- ungen zu dem Mainzer Gewaltboten und Bauverweser(Bauinspektor) Philipp Stolz vonGaubickelnheim(Gauböckelheim), den das Mainzer Baumeisterbuch das letzte Mal im Jahre 1565 erwähnt. Philipp Schad kaufte nämlich am 4. Juli 1581 von den Erben des Philipp Stolz von Gaubickelnheim dessen Güter zu Biedesheim. Vielleicht ist diese Notiz doch geeignet, weitere Anhaltspunkte zu bieten. Ausserdem fanden sich noch folgende Namen von Baumeistern aus dieser Zeit: Caspar Weitz, Baumeister zu Mainz seit 1557; Jacob Crafft, seit 29. Mai 1564; Dietrich von Enaw, seit 25. Januar 1565; Hans Walch, seit 1. Mai 1565; Gall Schmidt, seit 23. Oktober 1567; Georg Rubin, seit 27. Februar 1575. Uber den Stadtbaumeister Gerhard Ebersheim und seine Tätigkeit am Schöfferhof, vergl. Schaab, Erf. d. Buchdr. II, S. 120 f. Sollte Schaab aus dem aedituus einenStadtbaumeister gemacht haben? aedituus ist im mittel- alterl. Latein, nach du Cange= ostiarius(gradus ecclesiasticus); also= Pförtner. In Mainzer Schulakten von 1772 findet sich: ludi magisterium et aedituatus= Schuldienst und Glöcknerdienst(frdl. Mitteilung des Herrn Dr. Heidenheimer).