Vorwort. 5
zehnte des verflossenen und der Anfang des neuen Jahrhunderts uns eine reiche Fülle ganz hervorragender Einzelarbeiten auf dem Gebiete der Mainzer Kunst- und Kulturgeschichte geliefert. Aber vieles Wichtige liegt in allen möglichen, oft schwer zugänglichen Zeitungen und Zeitschriften zerstreut, und mit einer registrierenden Zusammenstellung dieses so wertvollen Materials ist immer noch nicht der Anfang gemacht*).
Für die Topographie des alten Mainz fehlt es immer noch an einer zusammenhängenden Darstellung. Die verdienstvolle Arbeit Wallaus(Alte Häusernamen in Mainz) liegt im Mainzer Adressbuch von 1891 begraben**). Eine wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Publikation des Maskopp'schen Stadtplans von 1575 fehlt noch. Ein Stadtplan des alten Mainz, auf dem die zahlreichen jetzt verschwundenen Baudenkmäler in kräftigerem Kolorit, die heutigen Strassenverhältnisse zum Zweck der rascheren Orientierung in zarterem Aufdruck eingetragen sein müssten, besitzen wir immer noch nicht. Planmaterial hierfür ist genug vorhanden.— So liesse sich noch mancher fromme Wunsch an den anderen reihen.
*) Darum wollen auch die im Verzeichnisse gebotenen Literatur- angaben nur als ein erster Versuch betrachtet sein. Vielfach wäre es einer methodischen Kritik entsprechender gewesen, die Quellen zu zitieren, die Schaab in seiner Geschichte der Stadt Mainz(zitiert als Schaab) benutzt hat, leider oft genug ohne sie zu nennen; wenn dies unterblieben ist, war es mit Rücksicht darauf geschehen, dass Schaabs Werke weiteren Kreisen bequemer zugänglich sind als Bodmanns Handexemplare des Gudenus und Joannis. Wer Schaabs inhaltlich ebenso wertvolles wie wunderlich ange- legtes Werk über die Geschichte der Stadt Mainz eingehender benutzt hat, wird den Wert der scheinbar oft überflüssigen Zitierung zu beurteilen wissen. Von hohem Werte für die Kunsttopographie der Stadt Mainz ist ein auf der Stadtbibliothek befindliches anonymes Manuskript, betitelt „Antiquarische Wanderungen durch die Stadt Mainz“(zitiert als antiquar. Wanderung). Es muss in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts(1856) verfasst worden sein. In seinen Angaben stützt sich der Verfasser vielfach auf Schaab, übertrifft ihn aber an Schärfe des Blickes und gibt ausserdem noch zahlreiche Einzelheiten(Bauzahlen, Inschriften usw.), die für die Chronologie äusserst wertvoll sind, endlich beschreibt er auch noch manches Denkmal, das heute spurlos verschwunden ist.
**½) Für die Angabe der alten Häusernamen, die den einzelnen Artikeln des Verzeichnisses vorangestellt sind, diente diese Zusammen- stellung als Grundlage.


