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ſonders in den großen, vorgetragen haben. Gehen wir nun zu dem andern Gedichte Schillers, zum Eleuſiſchen Feſte, uͤber.
Der Hauptgedanke, der ſich durch dieſes Gedicht hinzieht, iſt folgender: Ceres, die Goͤttinn des Ackerbaues, iſt die Gruͤnderinn des Staates und der buͤrgerlichen Ordnung; ſie verdient darum goͤttliche Verehrung. Proſaiſch wuͤr⸗ den wir dieſen Gedanken etwa ſo ausdruͤcken: Der Ackerbau fuͤhrte zu feſten Wohnſitzen. Zur Sicherung der Perſon und des Eigenthums ruͤckten die Land⸗ bauer in Doͤrfer, und bei entſtehenden Gewerben in Staͤdte zuſammen. Jetzt mußten die gegenſeitigen Rechte feſtgeſtellt werden; die natuͤrliche Freiheit des Einzelnen erlitt eine Beſchraͤnkung, ſo, daß ſie mit dem gleichen Rechte Aller beſtehen konnte; Lebensordnung, Geſetz, Regierung wurden noͤthig; es bildete ſich der Staat. Durch den Staat wurde menſchliche Geſittung(Humanitaͤt) befoͤrdert; ein reges Leben aͤußerte ſich durch Verkehr und Handel, durch Kunſt und Wiſſenſchaft. Der Erfinder des Ackerbaues iſt daher ein Wohlthaͤter der Menſchheit. Ceres hat den wilden Naturſohn erſt zum Menſchen gemacht; ihr gebuͤhrt unſer Preis, ihr die Verehrung in den Eleuſinien.
Folgen wir dem Dichter in ſeinem Ideengange.
Schiller beginnt mit dem Aufrufe zur Feſtesfeier.—
„Windet die goldnen Aehren und die blauen Cyanen zum Kranze, ſchmuͤck⸗ et euch zum Empfange der Koͤniginn, der Bezaͤhmerinn wilder Sitten, die den Menſchen zum Menſchen geſellt und das bewegliche Zelt in freundliche, feſte Huͤtten verwandelt hat.“ Hierauf ſchildert er das traurige Leben der Menſchen im rohen Naturzuſtande, um durch den Contraſt die geſegneten Wirkungen des Ackerbaues, des Geſchenkes der Demetra, mehr hervorzuheben. Der Hoͤhlen⸗ bewohner verbarg ſich ſcheu im Gebirge; der Nomade ließ die abgeweidete Trift wuͤſte liegen; der Jaͤger ſchritt mit dem Wurfſpieße und dem Bogen durch Feld und Wald; und wehe dem Fremdlinge, der in ſeine Gewalt fiel! An eine
grauſame Lebeusart gewoͤhnt, argwoͤhniſch, feindſelig, kannte der Wilde kein 2 2


