Aufsatz 
Über das Demetra-Fest in Eleusis, mit Bezug auf Schillers Gedichte:"Klage der Ceres" und "Das Eleusische Fest"
Entstehung
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jener myſtiſchen Gebraͤuche nach den herrſchenden Meinungen und Anſichten ihres Zeitalters bequemt haͤtten.

Von dieſen Meinungen uͤber die Myſterien ſcheint uns die Anſicht Sil⸗ veſtres de Sacy die natuͤrlichſte. Wir uͤberlaſſen es uͤbrigens einem Jeden, hier durch ſeine Brille zu ſehen. Die Alterthumsforſcher. ſind in der Regel ein eignes Voͤlkchen, das eben ſo gewandt ſich ſelbſt aus den Alten heraus, als in die Alten hinein lieſt.

Der Erklaͤrung Sacy's laͤßt Creuzer) alle Gerechtigkeit widerfahren, und mit der Bemerkung, daß ihm der Raum nicht verſtatte, in eine genaue Pruͤfung dieſer Anſicht einzugehen, bittet er den Leſer, bei Sacy ſelbſt nach⸗ zuleſen.

Wir thun daſſelbe und wenden uns zu unſerm Schiller, um zu ſehen, wie er in den beiden Gedichten:

Klage der Ceres und das Eleuſiſche Feſt die Myſterien darſtellt.

Das erſte Gedicht iſt eine Elegie, Wehmuth und Troſt enthaltend: Weh⸗ muth uͤber den Verluſt der Tochter, Troſt in dem Gedanken, den das kei⸗ mende Samenkorn und die Fruͤhlingsblumen erwecken, im Gedanken an die Verbindung zwiſchen den Lebenden und den Todten.

Wir wollen dem Ideengange des Dichters folgen. Demetra klagt:

Der Lenz iſt gekommen mit allen ſeinen Schoͤnheiten und Freuden; aber mein Herz iſt webmuͤthig, und die Natur ſpricht zu mir: Deine Blumen kehren wieder; deine Tochter kehret nicht. Ueberall, ſo weit die Sonne ſtrahlt, habe ich ſie auf der Erde geſucht. Entweder hat Zeus ſie mir entruͤckt, oder Pluto ſie in die Unterwelt entfuͤhrt, von welcher kein Weg zur Ober⸗ welt zuruͤckleitet. Wie gluͤcklich ſind ſterbliche Muͤtter, daß ſie ihren Kindern

*) Symbol. Ar Th. S. 520. Anm 358.