Aufsatz 
Über das Demetra-Fest in Eleusis, mit Bezug auf Schillers Gedichte:"Klage der Ceres" und "Das Eleusische Fest"
Entstehung
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8.

Geſetz eben das, was dem Iſraeliten ſein Dekalogus; und wie an dieſen die ganze Geſchichte des erwaͤhlten Volkes und ſeiner Patriarchen bis zur Schoͤpfung hinauf ſich anknuͤpft; ſo wurden auch dem Hellenen aus der bildli⸗ chen Ueberlieferung der Vorwelt, die man in myſteriöͤſen Scenerien verſinn⸗ lichte, die großen kosmiſchen Weſen in ihrem Schoͤpfungswerke vor Augen geſtellt. Aus jenen Bildern und Scenen wurde nun in den groͤßeren Myſterien der Unterricht fuͤr die Vollkommneren herausgenommen, und die Wahrheiten von dem Einen und ewigen Gotte, von der Welt und des Menſchen Beſtim⸗ mung wurden den Epopten ans Herz gelegt. Die Lehre von der Unſterblichkeit der Seele oder von ihrer Wiedergeburt(Palingeneſie) wurde unter Bildern vorgetragen, die von den Wandlungen des Samenkorns entlehnt waren. Dieſe aus der Sache ſelbſt geſchöpfte Einkleidung, voll natuͤrlicher Wahrheit, findet Creuzer faſt in allen Religionen wieder, in dem Evangelium) der Chriſten und in dem Zendaveſta*) der Perſer, wie in den Orphiſchen Hymnen auf Demetra und Perſephone.

Sylveſtre de Sacy**) haͤlt Aegypten fuͤr die Wiege der Eleuſiſchen Geheimniſſe und ſieht in den Begebenheiten der Ceres und der Proſerpina nur eine Nachbildung von dem, was die Aegypter von Oſiris und Iſis lehrten. Er glaubt, in den myſtiſchen Darſtellungen der Griechen ſei urſpruͤnglich nichts weiter, als Symbole der hauptſaͤchlichſten Naturwirkungen, des Wechſels der Jahreszeiten und dergleichen enthalten geweſen; doch haͤlt er es nicht fuͤr un⸗ wahrſcheinlich, daß ſpaͤterhin auch die Lehre der Seelenwanderung) in den Moſterien mitgetheilt worden ſei, weil ſich die Myſtagogen in ihren Erklaͤrungen

²) Joh. XII. 21. *) Tom. II. p. 411.(bei Kleuker). *) In den Bemerkuugen zu Sainte-Croix Recherches sur les mystères, im Abſchn.

De la Doctrine enseignée dans les mysteères. ed. zeme I. p. 413.

) uersuνυνꝙνυοε.