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urtheilten von dieſen Myſterien, wie heutige Denker von dem Geheimnißvollen gebeimer Geſellſchaften. Ihrem Scharfſinne konnten die Mißbraͤuche, die man mit dieſer religioͤſen Anſtalt trieb, nicht entgehen, und ſie mochten ſich auch ſtark genug fuͤhlen, dieſes Mittels zu ihrer Vervollkommnung entbehren zu koͤnnen. Deſſen ungeachtet behaͤlt doch das Ganze als Staats⸗ und Bildungs⸗ zweck ſeinen Werth.
Es kann nicht im Plane dieſes Programmes liegen, alle Meinungen der Alten und der Neuen uͤber die Myſterien anzufuͤhren*). Nur die Anſichten von Meiners und Nitſch, Creuzer und Silveſtre de Sacy wollen wir hier mittheilen und dann zur poetiſchen Darſtellung Schillers uͤbergehen. Wie der Vorhang vom Allerheiligſten des Tempels weggenommen wurde(ſagt Meiners)**); ſo wurde auch vor den Augen der Epopten der Schleier des Aberglaubens weggeriſſen, welchen die Fabeln der Dichter und der Glaube des Volkes gewebt hatten. Man unterrichtete ſie in der wahren Geſchichte der Goͤtter und fuͤhrte ſie aus dem Luftſchloſſe der Dichtung in den Tempel nuͤtz⸗ licher Wahrheiten ein, welche man fuͤr die Begriffe des großen Haufens zu erhaben hielt. Der Hierophant verkuͤndete ihnen die Lehre von einem einzigen Gotte und zeigte ihnen die hohe Wuͤrde und die kuͤnftige Beſtimmung der menſchlichen Seele. Plato ſagt in ſeinem Phaͤdon, der Zweck der Myſterien ſei, die Seele wieder da hinauf zu heben, woher ſie herabgeſunken — in das ſelige Land der Ideen*).
Eine andere Anſicht uͤber, die Myſterien finden wir bei Nitſch t).
*) Eine reiche Quelle von Gelehrſamkeit, aus der faſt alle Neuere geſchöpft haben, fließt in Sainte-Croix Recherches aur les Mystères.
**) Verm. philoſ. Schr. a. a. O.
) Platon. Phaedon et Timacus— Cie. Tuseul. Quaest. II. 12. 13. Id. de Nat. Deor. I. 42. Augustin. de eiv. Dei IV. 27. Dio Chrysost. orat. XII. etc.
†) Beſchreibung des gottesdienſtlichen ꝛc Zuſtandes der Griechen. Frkf. 1312. Th. II. B. 5.


