Aufsatz 
Über das Demetra-Fest in Eleusis, mit Bezug auf Schillers Gedichte:"Klage der Ceres" und "Das Eleusische Fest"
Entstehung
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Familien, welche zuerſt den Ackerbau betrieben hatten, beſonders aus dem alten Geſchlechte der Eumolpiden, beſorgten die Opfer, hatten die Ober⸗ aufſicht bei den feierlichen Spielen und erhielten die Ordnung waͤhrend des Feſtes.

Die Thaten und Begebenheiten der Demetra und ihrer Tochter wurden dem ſchauluſtigen Volke eben ſo vorgeſtellt, wie die des Bakchos in den Orgien. Den Eleuſinien erging es im Laufe der Zeit, wie den einfachen Lehren und Gebraͤuchen anderer Religionen. Die Politik der Staatsmaͤnner und der Prieſterſchaft bemaͤchtigte ſich dieſer Anſtalt zu ihren beſonderen Zwecken.

Mit den ſymboliſchen Darſtellungen wurden Geheimnißlehren in Verbin⸗ dung gebracht, und die naͤchtlichen Myſterien von dem Schaugepraͤnge des Tages abgeſondert; durch Letzteres wurde das Volk angezogen, und durch Er⸗ ſtere deſſen Einbildungskraft angeregt. Durch religioͤſe Schauer ward die Menge gezuͤgelt, gelenkt und in Ehrfurcht vor den Goͤttern und den Geſetzen erhalten. Die Beobachtung, daß der edlere Keim des in der Erde modernden Samen⸗ korns zum Lichte emporſtrebe, konnte den Glauben an die hoͤhere Beſtimmung des Menſchen und an die Fortdauer ſeiner geiſtigen Kraft erwecken und zum Sinnbilde erhebender Hoffnung dienen. Die allbelebende Sonne, der milde Mond, die befruchtende und ernäͤhrende Erde, Gegenſtaͤnde der goͤttlichen Ver⸗ ehrung fuͤr den einfachen Naturmenſchen, konnten zur hoͤheren Erkenntniß des Weltgeiſtes leiten.

Die Myſterien der Demetra werden in die kleinen und in die gro⸗

*) Illis mysteriis ex agresti immanique vita exculti ad humanitatem ct mitigati sumus, initiaqne, ut appellantur, ita re vera principia vitae cognovimus, re- que solum cum lactitin vivendi rationem accepimus, sed etiam cum spe me-

liore moriendi Cicero de legib. II. 14. Vergl. deſſen Verrin. IV. 48.