Aufsatz 
Über das Demetra-Fest in Eleusis, mit Bezug auf Schillers Gedichte:"Klage der Ceres" und "Das Eleusische Fest"
Entstehung
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metra⸗Feſt zu feiern; dahin bewegte ſich am 6ten Feſttage von Athen ein

feierlicher Zug von oft 30000 Menſchen, welche mit Myrten geſchmuͤckt, abge⸗ meſſen fortſchreitend nach dem Schalle der Inſtrumente und dem Geſange heili⸗ ger Lieder, die myrtenumkraͤnzte Bildſaͤule des Jakchos, des Sohnes der Demetra, hin und zuruͤckbegleiteten. Dort im Tempel zu Eleuſis feierte man die großen Myſterien(Eleuſinien), von deren Zweck und Bedeu⸗ tung in alten und in neuen Zeiten Viel geſchrieben, Mehr gemuthmaßt, We⸗ niges ausgemacht worden. Die Feier dieſes Feſtes hat unſerm Schiller den Stoff zu ſeinem ſchoͤnen Gedichte: Das Eleuſiſche Feſt, gegeben. Nach der frommen Sage war Demetra ſelbſt, die Goͤttinn des Ackerbaues, die Gruͤn⸗ derinn des geſellſchaftlichen Vereins, Stifterinn dieſes Feſtes. Als ſie, ihre vom Pluto geraubte Tochter Perſephone ſuchend, in Eleuſis gaſtlich auf⸗ genommen wurde, machte ſie den Bewohnern ein doppeltes Geſchenk mit der Kunſt des Ackerbaues und mit der heiligen, geheimnißvollen Lehre oder den Moſterien, deren Ceremonien ſie ſelbſt anordnete. Sehen wir auf dieſe Entſtehung und auf die Zeit des Feſtes; denken wir an die mit ihm verwand⸗ ten Thesmophorien, das Feſt der Geſetzgebung oder der mit dem Ackerbau eingefuͤhrten Ordnung des buͤrgerlichen Lebens, und an die Dionyſien oder Bakchus⸗Feſte*); ſo werden wir in den Eleuſinien urſpruͤnglich ein National⸗ und Erntefeſt, anfaͤnglich fur die Attiker, dann auch fuͤr andere Hellenen, er⸗ kennen. Man dankte der Goͤttinn fuͤr die geſegnete Ernte und gedachte des

Uebergangs aus dem Zuſtande der Barbarei in den der Geſittung und der buͤr⸗ gerlichen Ordnung; alte Feindſchaften wurden aufgehoben, neue Buͤndniſſe ge⸗ ſchloſſen, neue Unternehmungen verabredet. Prieſter und Prieſterinnen aus den

)Liber et alma Ceres, vestro si munere tellus Chaoniam pingui glandem mutavit arista

Poculaque inventis Achcloia miscuit uvis. Virgil. Georgic I, 7.