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Spiele ſie ihre Schritte abmaßen. Daher ſagt Schiller vom Chor im Trauer⸗
ſpiele: „Der ſtreng und ernſt, nach alter Sitte, Mit langſam abgemeßnem Schritte Hervortritt aus dem Hintergrund Umwandelnd des Theaters Rund.⸗
Waͤhrend der Auffuͤhrung des Stuͤckes uͤbernahm der Chor bald die Rolle einer mitauftretenden Perſon, bald bildete er das Zwiſchenſpiel. Als agirende Perſon nahm er Theil an der Handlung ſelbſt und druͤckte je nach den Um⸗ ſtaͤnden ſeine Furcht oder ſeine Hoffnung aus. Im Zpiſchenſpiele waren Kla⸗ gen uͤber das Ungluͤck⸗der Menſchen und Gebete um den Beiſtand der Goͤtter fuͤr ſeinen Helden, der Hauptinhalt ſeines Geſanges. Die von ihm geſungenen Verſe waren in Strophen und Gegenſtrophen getheilt. Bei der erſten Strophe bewegte ſich der Chor von der rechten nach der linken Seite, bei der erſten Gegenſtrophe von der linken zur rechten, in der naͤmlichen Zeit und nach der naͤmlichen Melodie. Dann blieb er ſtehen, wandte ſich gegen die Zuſchauer und ſang nach einer andern Melodie.—
Der Vortrag in den Schauſpielen war theils Geſang, theils Rede; bei jenem richtete ſich die Stimme nach der Floͤte, bei dieſer nach der Leier. Außer dem Geſange wurde das Schauſpiel auch durch den Tanz verſchoͤnert, der oft pantomimiſch war und die Lebhaftigkeit des Spiels außerordentlich erhoͤhte.
Den Eindruck des Spiels und beſonders des Chors auf die Gemuͤther der Zuſchauer beſchreibt Schiller meiſterhaft in ſeinem Ibykus.
Wir koͤnnten dieſe Abhandlung nicht ſchoͤner ſchließen, als indem wir die⸗ ſes ſchoͤne Gedicht nach ſeinem Hauptinhalte und in ſeinen einzelnen Theilen der Seele unſrer Leſer vorfuͤhren.
DerSchillerſchen Ballade liegt folgende Begebenheit zum Grunde. Iby⸗ kus aus Rhegium in Großgriechenland, ein beruͤhmter lyriſcher Dichter, der


