— V—
Beifall erſcholl dem Sieger, im Jubel wurde er nach Hauſe begleitet, wo er ſeinen Freunden ein Feſt gab.
Bei der Auffuͤhrung der Stuͤcke muß man zwei Arten von Schauſpielern unterſcheiden: Die, welche die Handlung des Stuͤckes vorſtellten, und jene, welche den Chor bildeten. Zu den weſentlichſten Theilen des Schauſpiels ge⸗ hoͤrten: Die Fabel ſelbſt, die Sprache, die Sitten und die Decorationen. Dem Umfange nach zerfiel es in den Prolog, die Epiſode(Erzaͤhlung) den Exodus oder Ausgang und den Chor. Der Prolog, welcher das Schauſpiel anfing und mit dem erſten Zwiſchenſpiel endete, legte den Stoff dar. Die Erzaͤhlung, die ſich vom erſten bis zum letzten Zwiſchenſpiel erſtreckte, entwickelte die Hand⸗ lung, der Ausgang loͤſ'te den Knoten. Die Buͤhne war niemals leer, indem ſie in den Zwiſchenſpielen vom Chor ausgefuͤllt wurde.
Ueber die Beſtimmung des Chors wollen wir unfern Schiller hoͤren:
„Der Chor iſt der beharrliche Zeuge und Traͤger der Handlung.— Die alte Tragoͤdie, welche ſich urſpruͤnglich nur mit Goͤttern, Helden und Koͤnigen umgab, brauchte den Chor als eine nothwendige Begleitung, ſie fand ihn in der Natur und brauchte ihn, weil ſie ihn fand.— Der Chor iſt ſelbſt kein Individuum, ſondern ein allgemeiner Begriff, repraͤſentirt durch eine ſinnlich⸗ maͤchtige Maſſe, welche durch ihre ausfuͤllende Gegenwart den Sinnen impo⸗ nirt.— Der Chor verlaͤßt den engen Kreis der Handlung, um ſich uͤber Ver⸗ gangenes und Kuͤnftiges, uͤber ferne Zeiten und Voͤlker, uͤber das Menſchliche uͤberhaupt zu verbreiten, um die großen Reſultate des Lebens zu ziehen und die Lehren der Weisheit auszuſprechen ꝛc.“— Der Chor ſtellte demnach das Volk als theilnehmenden Zeugen der Handlung vor. Die Perſonen des Chors waren alle aus der Fabel des Stuͤcks genommen und hatten auf den Inhalt deſſelben Bezug. Im Trauerſpiele enthielt er 15, im Luſtſpiele 24 Perſonen. Sie waren immer von niederem Stande, als die Hauptperſonen des Stuͤckes. Die Chorſaͤnger erſchienen mit einem Flötenſpieler an ihrer Spitze, nach deſſen


