Aufsatz 
Über die heiligen Kampfspiele der Griechen, mit Bezug auf Schillers Ballade:"Die Kraniche des Ibykus"
Entstehung
Einzelbild herunterladen

X111

den Seiten um die Theater bedeckte Saͤulengaͤnge angebracht. Die Zeiten des Luxus ſpannten ungeheure Segeltuͤcher uͤber das Gebaͤude.

Den Sitzen der Zuſchauer(SLargor) gegenuͤber war die Buͤhne oder Scene. Hier declamirten die Schauſpieler, hier waren die nach Verſchiedenheit der Stuͤcke verſchiedenen Decorationen angebracht(die tragiſche Scene mit Pracht⸗ gebaͤuden, die komiſche mit buͤrgerlichen Wohnungen, die ſatyriſche mit laͤndlichen Vorſtellungen). Zwiſchen dem Schauplatze und der Buͤhne war die Orcheſtra fuͤr die Taͤnzer und Mimen in den Zwiſchenſpielen und fuͤr die Muſiker.

Die Schauſpiele hatten außer dem Zwecke des Vergnuͤgens auch noch den edeln Zweck, eine Schule der Weisheit und Tugend zu ſeyn, die Vaterlands liebe und die Ehrfurcht gegen die Goͤtter zu befoͤrdern. Sie waren daher eine wichtige Staatsangelegenheit. Alles wurde aufgeboten, ſie feierlich und unter⸗ haltend zu machen. Schauſpiele wurden nur an großen Feſttagen gegeben: an den drei Feſten des Bacchus, beſonders an den großen Dionyſien. Die Haupt⸗ gattungen der dramatiſchen Stuͤcke waren das Trauerſpiel, das Luſtſpiel und das ſatyriſche Drama. An einem Tage wurden mehrere Stuͤcke aufgefuͤhrt; denn mit dem Auffuͤhren der Stuͤcke war ein Wettſtreit der Dichter verbunden. Jeder Verfaſſer ſtellte in fruͤheren Zeiten ſeinem Gegner drei Trauerſpiele und ein kleines ſatyriſches Stuͤck entgegen.

Von Luſtſpielen fuͤhrte man gewoͤhnlich nur Eins von jedem Verfaſſer auf, und dieſe Sitte wurde auch von Sophokles fuͤr das Trauerſpiel eingefuͤhrt. Dauerte das Feſt nur Einen Tag, ſo wurden 5 6 Schauſpiele gegeben; an den großen Dionyſien aber, die mehrere Tage dauerten, 12 15. Die Vor⸗ ſtellung begann mit dem fruͤheſten Morgen. Ohne Genehmigung des erſten Archonten, welchem die Durchſicht oblag, durfte kein Stuͤck aufgefuͤhrt werden. Fuͤnf, ſieben oder mehrere von der Obrigkeit gewaͤhlte Richter entſchieden, wem der Siegeskranz gebuͤhre. Der Name des Siegers wurde feierlich ausgerufen, guch die Namen der beiden Mitſtreiter, die ihm am naͤchſten waren. Lauter