Aufsatz 
Über die heiligen Kampfspiele der Griechen, mit Bezug auf Schillers Ballade:"Die Kraniche des Ibykus"
Entstehung
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II

Es wuͤrde kaum verzeihlich ſeyn, die Schilderung dieſer heiligen Kampf⸗ ſpiele zu ſchließen, ohne des großen Dichters zu erwaͤhnen, deſſen Genius die Namen mehrerer Sieger in dieſen Spielen verewigt hat des Pindarus). Sein Verdienſt wurde in ganz Hellas anerkannt; Mit⸗ und Nachwelt zollten ihm die hoͤchſte Achtung. Als die Lacedaͤmonier in Theben eindrangen, ſchonten ſie ſeiner Wohnung. Da Alexander der Große Theben eroberte, gebot er Scho⸗ nung nicht nur gegen das Haus, ſondern auch gegen die Nachkommen des Dichters. Die iſthmiſchen Spiele hat unſer Schiller in ſeinem Ibykus beſungen.

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Wir haben bei dieſen Spielen der Griechen des Theaters und der Vor⸗ ſtellungen auf der Buͤhne erwaͤhnt. Dieſer Gegenſtand, welchen Schiller in den Kranichen des Ibykus ſo ſchoͤn behandelt, verdient, daß wir ihm einige Aufmerkſamkeit widmen, wobei wir auf jene ſchoͤne Ballade zuruͤckkommen werden.

Die Theater der Griechen waren gewoͤhnlich am Abhange eines Berges oder Huͤgels erbaut, und die Sitze der Zuſchauer wurden in verſchiedenen Rei⸗ hen concentriſch hinter einander in einem oder etlichen Stockwerken, und ſtufen⸗ weiſe uͤbereinander angelegt. Durch die Sitze liefen Gaͤnge, zwiſchen den Stock⸗ werken breite Hauptgaͤnge.

Das Gebaͤude war ohne Bedachung und die Zuſchauer genoſſen die ſchoͤne Ausſicht in die umliegende Gegend und den freien Anblick des Himmels.

4Dumpfbrauſend, wie des Meeres Wogen, Von Menſchen wimmelnd, wächſ't der Bau In weiten ſtets geſchweiften Bogen Hinauf bis in des Himmels Blau(Sch.) Zum Schutze vor den Sonnenſtrahlen und dem Regenwetter waren an

*) Ueber Pindar vergl. Horazens Urtheil in Carm. lib. IV. Od. II.