Aufsatz 
Über die heiligen Kampfspiele der Griechen, mit Bezug auf Schillers Ballade:"Die Kraniche des Ibykus"
Entstehung
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Die poetiſch⸗muſikaliſchen Wettkaͤmpfe wurden im Theater gehalten und betrafen Apollo's Lob wegen ſeines Sieges uͤber den Drachen. Die Sieges⸗ hymne wurde mit der Floͤte oder Lyra begleitet; Dichter und Tonkuͤnſtler ſtrit⸗ ten dabei um den Preis. Auch Taͤnze wurden dazu aufgefuͤhrt. Soloſpieler auf der Floͤte, Cither und Lyra ließen ſich ebenfalls hoͤren.

Die Schoͤnheit der Stimme und die Anmuth der muſtkaliſchen Begleitung gaben gewoͤhnlich den Ausſchlag. Wer dieſe beiden Vorzuͤge nicht beſaß, mußte, wie einſt Heſiodus, auf den Sieg verzichten, wenn auch eine Siegeshymne dem Inhalte nach den Preis verdiente.

Außer den poetiſchen und muſikaliſchen Wettkaͤmpfen wurden auch gym⸗ naſtiſche, wie in Olympia, gehalten, und wiſſenſchaftliche Genie's bewarben ſich durch ihre Werke um den Siegespreis. An Pracht und Feierlichkeit gaben die pythiſchen Spiele den olympiſchen nichts nach. Fuͤr Viele mußte ſogar die Naͤhe des Orakels und die Pracht der heiligen Gebaͤude in Delphi, ſowie auch die Jahreszeit der Feier, ein beſonderer Grund ſeyn, die pythiſchen den olym⸗ piſchen Spielen vorzuziehen.

Der Preis des Sieges war ſeit der feſteren Einrichtung der Spiele ge⸗ woͤhnlich ein Lorbeerkranz. Die muſikaliſchen Sieger erhielten zuweilen eine goldene Krone oder ein Kunſtwerk anderer Art. Außerdem wurde ihr Ruhm durch Denkmahle verherrlicht.

3. Von den iſthmiſchen Spielen.

In der Naͤhe Korinth's, dieſer beruͤhmten Stadt des Handels und der Kunſt, auf der Landenge(iμσ zwiſchen zwei vielbeſchifften Meeren, nahe bei einem dem Poſeidon geweihten Tempel und Fichtenhain wurden die iſthmiſchen Spiele gefeiert. Die Korinther, die Beſorger derſelben, wandten Alles an, was der Reichthum aufbieten konnte, um die Pracht derſelben zu vermehren. Sie wurden jedesmal nach Ablauf von zwei Jahren, am Anfange