Aufsatz 
Über die heiligen Kampfspiele der Griechen, mit Bezug auf Schillers Ballade:"Die Kraniche des Ibykus"
Entstehung
Einzelbild herunterladen

1IX

Am letzten Tage des Feſtes geſchah im heiligen Haine nach feierlichen Opfern die Kroͤnung der Sieger mit einem Olivenkranze. Dieſe zogen nun be⸗ gleitet von den Vorſtehern des Feſtes und den Kampfrichtern im Gedraͤnge des jauchzenden Volkes in das Theater, wo eine rauſchende Muſik und lauter Bei⸗ fall ſie empfieng. Noch groͤßere Ehrenbezeigungen erwarteten ſie in ihrem Vaterlande.

2. Von den pythiſchen Spielen.

In Phocis, am ſuͤdlichen Abhange des Parnaſſus, erhob ſich Apollo's beruͤhmter Orakelſitz, die Stadt Delphi mit ihren prachtvollen Gebaͤuden und ihren unzaͤhligen Statuͤen. Alles uͤberſtrahlte der Tempel des Gottes, der ſchon aus weiter Ferne den Blick bezauberte. Die Vorderſeite war von pari ſchem Marmor; den Giebel des Daches ſchmuͤckten die Bildſaͤulen Apollo's, Dia na's, Latona's, der Muſen und des Bacchus. Der Vorhof prangte mit Ge⸗ maͤlden und an den Mauern las man Spruͤche der Weiſen von Hellas. Ge ſchenke der Dankbarkeit aller Nationen zierten dieſen Tempel und die Stadt. Der Weg zum Tempel fuͤhrte an der beruͤhmten kaſtaliſchen Quelle voruͤber, mit deren Waſſer die Prieſter und die, welche das Orakel befragten, ſich rei⸗ nigten. In der Naͤhe von Delphi in dem ſchoͤnen Thale, durch welches der Pliſtus in die Bai von Kriſſa ſich ergießt, wurden die Spiele gefeiert. Die Stiftung derſelben verliert ſich in das graue Alterthum. Durch ſie wollte Apoll, wie die Sage erzaͤhlt, ſeinen Sieg uͤber die Schlange Pytho verewigen. Doch erſt 586 J. vor Ch. bekamen ſie eine Einrichtung, wodurch ſie den olym⸗ piſchen an die Seite traten. Von nun an wurden ſie, wie dieſe, einer An⸗ ordnung der Amphiktyonen gemaͤß, nach Ablauf von 4 Jahren regelmaͤßig ge⸗ feiert, und zwar im Monate Thargelion, unſerm Mai. Der Gedanke an den Apoll mußte Dichtkunſt und Muſik als die Hauptgegenſtaͤnde des Feſtes betrach⸗ ten laſſen.