Aufsatz 
Über die heiligen Kampfspiele der Griechen, mit Bezug auf Schillers Ballade:"Die Kraniche des Ibykus"
Entstehung
Einzelbild herunterladen

VIII

Kaͤmpfer etwas Schlechtes vorwerfen koͤnnte. Die Unwuͤrdigen wurden dann ausgeſchloſſen.

Die leichtern Uebungen, als Wettlauf, Springen, Diskuswerfen wurden gewoͤhnlich des Vormittags, die ſchwerern, als Ringen und Fauſtkampf, des Nachmittags vorgenommen. Die Aufmerkſamkeit war vorzuͤglich auf das Wett⸗ rennen mit Wagen und auf Pferden geſpannt. Hier entfaltgte ſich der groͤßte Aufwand, darum konnten nur Reiche daran Theil nehmen. Weil man hier nicht in eigener Perſon um den Preis zu ringen brauchte, ſo ſtellten ſich oft Fuͤrſten und Republiken unter die Mitbewerber und vertrauten einem geſchickten Wagen⸗ lenker die Sorge fuͤr ihren Ruhm an.

Intereſſanter, als dieſe koͤrperlichen Uebungen, waren fuͤr den, welchem geiſtige Vorzuͤge hoͤher galten, die literaͤriſchen Wettkampfe und Vorleſungen. Welcher Genuß, wo ein Aeſchylus, ein Sophokles, ein Euripides ꝛc. ſich um den Preis bewarben, wo die talentvollſten Kuͤnſtler wetteiferten, wo die gelehr teſten Maͤnner ihre Anſichten gegen einander austauſchten, wo die Erfahrenſten und Weiſeſten als Lehrer auftraten! Daß die Griechen nicht koͤrperliche Vorzuͤge allein wuͤrdigten, ſondern auch jene des Geiſtes und edlere Verdienſte noch her ſchaͤtzten, bewieſen folgende Vorfaͤlle. Nach der Schlacht bei Salamis erſchien der Retter des Vaterlandes Themiſtokles im Stadium, und ſogleich erſcholl ihm zu Ehren ein allgemeines Beifallklatſchen. Statt auf die Spiele Acht zu geben, waren Aller Augen auf ihn geheftet; mit Luſt und Stolz zeigte man ihn den Fremden, und Themiſtokles geſtand, dieſer Tag ſey der ſchoͤnſte ſeines Lebens). Plato erhielt einen eaͤhnlichen Triumph. Als er einſt bei dieſen Spielen erſchien, richtete die ganze Verſammlung auf ihn ihre Blicke und bezeugte ihm durch die ſchmeichelhafteſten Ausdruͤcke die Freude, die ſeine Ge⸗ genwart einfloͤßte*).

*) Plutarch. in Themist.(Anacharsis tom. 3. p. 523) *) Neanth, ap Diog Laertium. 1. 3.§. 25.