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Natur, zu den Vortheilen, welche dem Menſchen ein heiterer Himmel und ein mildes Klima gewaͤhrt, geſellte ſich bei den Griechen das oͤffentliche Leben, wel⸗ ches der freien Entwickelung aller ſeiner Kraͤfte ſo foͤrderlich war. Alle Talente zeigten und uͤbten ſich oͤffentlich; keines war in die Mauern des Privathauſes gebannt. Einfach in ſeiner Wohnung, liebte der Grieche die Pracht im Oef⸗ fentlichen; die freien Plaͤtze, die Hallen, die Tempel waren herrlich geſchmuͤckt; darin ſuchten Alle ihre Ehre. Das oͤffentliche Leben bildete den Kunſtſinn, weckte den Witz, uͤbte den Scharfſinn. Zum Volke ſprachen die Redner, dem Volke ſangen die Dichter, das Volk unterrichteten die Weiſen. Ein ſo gebildetes Volk konnte auch Richter ſeyn uͤber Geiſteswerke. Was haben wir, das wir jener öffentlichen Beurtheilung geiſtiger Produkte bei den heiligen Spielen an die Seite ſetzen koͤnnen? Nichts als papierne Inſtitute, die Literaturzeitungen zu Jena, Halle, Leipzig und Berlin, meiſſtens literaͤriſche Vehmgerichte. Das ſind unſere Amphiktyonen. Doch unſere Zeit liebt ſolche Vergleiche nicht, die nicht zu ihrem Vortheile ausfallen. Darum wieder zuruͤck zu unſern Spielen.—
Sieht man auf den Urſprung der heiligen Spiele, ſo erſcheinen bei eini— gen die gymniſchen, bei andern die poetiſch⸗muſikaliſchen Uebungen vorherrſchend geweſen zu ſeyn. Zu den erſtern gehoͤren dann die olympiſchen, zu den letztern die pythiſchen Spiele*). Die gymniſchen Uebungen beſtanden in dem ſogenannten Pentathlon oder Fuͤnfkampf d. h. im Springen, Rennen, Rin⸗ gen, im Wurfſpieswerfen und im Schleudern der Wurfſcheibe oder des Diskus“*). In ſpaͤtern Zeiten nennen Einige ſtatt des Wurfſpieswerfens den Fauſtkampf, welcher mit dem Ringen in einer Kampfuͤbung verbunden Pankration (ra.*†τηρ⁴eο) genannt wird. Das Wettrennen wurde bald auch durch das
*) Vergl. Nitſch, uͤber die Griechen. Th. I. **) Nach einem Epigramm des Simonides.(Anthol. B. I. L. I.)


