Unendliche konnte eine ſolche ſchaffende Idee erwecken. Ein heiliger Schauer er— faßt den Eintretenden; und wenn ſchon die ehrwuͤrdige Stille maͤchtig das Ge⸗ fuͤhl ergreift, welchen Eindruck mußte nicht die Macht und der Zauber des Gottesdienſtes auf fromme Gemuͤther machen! Es gereicht dem Mittelalter zum Ruhme, daß es zu ſolchen Gebaͤuden, wie z. B. das Straßburger Muͤn⸗ ſter, den Fleiß, die Geduld und die Koſten von mehrern Jahrhunderten nicht ſcheute.
Freilich war es nicht der fromme Sinn allein, welcher die noͤthigen Opfer brachte; auch manche andere menſchliche Triebfeder wirkte mit; aber gewiß iſt es doch, daß der religioͤſe Sinn hauptſaͤchlich die Idee zu ſolchen Wer⸗ ken eingab, und der Gemeinſinn die Ausfuͤhrung derſelben erleichterte; und die ſpaͤtern Geſchlechter, welche oft Muͤhe, Zeit und Koſten an unnuͤtze und eitele Dingen verſchwendeten, koͤnnen ſich darin nicht uͤber das Mittelalter er⸗ heben.—
Zur Ausſchmuͤckung der Kirchen trug die Malerkunſt, die ebenſo fleißig geuͤbt wurde, das Ihrige bei. Koͤſtliche Glasmalerei milderte mit ihren brennenden Farben die ſtarke Lichtmaſſe des Tages, die zu den großen Fenſtern des Doms hineinſtroͤmte; Gemaͤlde zierten im Innern die Waͤnde und Altaͤre. Der Cha⸗ rakter der deutſchen Kunſt aus jener Zeit iſt frommer, keuſcher Ernſt und Ge⸗ muͤthlichkeit; in ſinnlicher Anmuth und Fuͤlle wird ſie von der italieniſchen uͤbertroffen.
Die dritte Kunſt, wodurch das Mittelalter ſich verherrlichte, iſt die Dicht⸗ kunſt. Bei Hohen und Niedern geehrt wanderten die Saͤnger an die Hoͤfe der Fuͤrſten, in die Burgen der Ritter, in die volkbelebten Staͤdte; verſchoͤnerten die Feſte durch ihre frohen Lieder, erhoben das Herz durch den Preis großer Thaten, oder ruͤhrten es durch die ſanfte Klage. Minneſaͤnger,(Troubadours,
Minſtrels) nannte man die Dichter, deren Leier von Kampf und Minne 5


